Marine Industrie Qualität ist unfassbar – mit hohen Folgekosten

  • Wir hatten ein wenig Pech mit unserem technischen Marine Equipment. Motor, Getriebe, Generator, Bugstrahlruder, alles im Eimer, alles knapp nach Ende der Garantie.

Auf der Fahrt vom Minerva Reef nach Neuseeland ist unser Motor , ein Nanni 4.100,  nach 1909 Betriebsstunden voll Seewasser gelaufen. Das scheint ein häufiger auftretendes Problem zu sein. Wir haben mittlerweile von mehreren Boreal mit Nanni Motoren gehört, die Wasser im Motor bzw. Turbolader hatten. Wir sind 10 Tage von Minerva nach Neuseeland auf Steuerbordbug gesegelt. Die See war ruppig, die Wellen klatschten genau auf die Auspuffseite. Falsche Spezifikation von Nanni? Falscher Einbau der Werft? Ich tendiere zu Beidem.

Es war kurzfristig kein Neumotor verfügbar, also musste der alte raus, komplett überholt werden und dann wieder eingebaut werden. Allein die Ersatzteilbeschaffung für eine französische  Marke am anderen Ende der Welt ist ein Marketinglehrstück, wie man Kundenzufriedenheit abschafft.

Wir haben parallel den alten Fischer Panda 4800i Generator rausgeschmissen, der nach 450 Stunden kaputt war und mit dem Nachfolgemodell 5000i ersetzt. Was für eine Wohltat. Das schrottige Altprodukt hat uns 3 Jahre lang unentwegt mit Ausfall und Reparaturen genervt. Die neue Maschine läuft soviel runder und leiser und ich hoffe inständig: auch zuverlässiger.

Auch das Bugstrahlruder MaxPower Compact retract (ein italienisches Produkt) musste ausgetauscht werden. Hier hatte Rost das Innere der Antriebe komplett zerstört, nach 3,5 Jahren!! Die Abdeckung zum Schiffsinneren war undicht und wir hatten auf einmal einige 100 Liter Wasser im Boot. Zum Glück ist unsere Vorpiek (der Laderaum ganz vorn im Schiff) komplett abgeschottet (das Wasser konnte nirgendwo sonst hin) und konnte abgepumpt werden.

Experten Exkurs: Natürlich haben wir nicht nicht nur repariert sondern auch optimiert. Der Motor hat neue Motorlagerungen, ein neues Getriebe, einen neuen Endschalldämpfer mit grossem Rückschlagventil, und eine neue Stopfbuchse erhalten. Der 4-Flügel Falt-Propeller wurde auseinander genommen und geschmiert und feinjustiert. Boreal hat eine anderen Wassersammler für den Nanni konstruiert, der wird demnächst bei der Werft nachgerüstet. Der Generator bekam eine schwerere Schwingungsplatte und grössere Schwingungslager, sowie eine zusätzliche Dieselpumpe, die den relativ langen Ansaugschlauch befüllt.  Zunächst hatte ich etwas von Kühlwasserpumpe geschrieben. Fehler. Fake News.

Der Bowthruster hat eine neue Kontrolleinheit am Steuerstand; die Elektro-Mechanik für Herunterlassen bzw. wieder einholen wurde penibel kalibriert. Möchte jemand rückwärts bei Seitenwind und Strom bei aufgeholtem Centerboard einparken? Bitte sehr!

Endlich funktioniert auch unsere Fernbedienung für die Lofrans Ankerwinsch wieder – inklusive Kettenlängen Anzeige. Danke,  Chris! Ich war zu blöd das Ding wieder in Gang zu bekommen. Die Besonderheit: die Fernbedienung steuert auch das Bugstrahlruder – wenn man das denn will ….

Es ist unfassbar, dass Gerätschaften zum Einbau in eine seegängige Yacht derart schlecht sein können. Klar, die Umgebung ist ausgesprochen feindlich, aber wieso überrascht dies die Hersteller eigentlich immer wieder neu?

Weil die Marine-Industrie für den Charter-Boot-Markt produziert. Tausende Boote, die für ein paar Wochen im Jahr im Mittelmeer oder in der Karibik von Bucht zu Bucht schwimmen. Für Langfahrtsegler ist das Zeug jedenfalls nicht, oder nur mit umfassenden Modifikationen geeignet.

Bei uns hat das Produktversagen zu einer Kernschmelze im Portemonnaie geführt, aber zu keiner wirklich kritischen  Situation. Es braucht wenig Fantasie, und das hätte auch schnell übler enden können.

 

 

 

2 Gedanken zu „Marine Industrie Qualität ist unfassbar – mit hohen Folgekosten“

  1. Lieber Martin,

    wie schön, wieder einen Eintrag von Euch auf dieser Seite zu lesen. Ich hatte es mir zur Gewohnheit gemacht, regelmäßig in Euren Blog rein zu schauen und war gespannt, wie es bei Euch weitergeht.

    Enttäuschend ist natürlich, dass Ihr schon jetzt so viele Ausrüstungsbestandteile austauschen musstet. Wie wirkt sich dies aber nun auf Eure Pläne aus. Wollt Ihr Cheglia immer noch per Decksfracht nach Europa bringen lassen oder segelt Ihr zu neuen Zielen, wo doch jetzt das Schiff quasi wieder wie neu ist?

    Auf jeden Fall wünsche ich Euch alles Gute,

    Burkhard

    1. Hi Burkhard,

      ja, das Schiff ist technisch quasi neu. 😎
      Aber wir werden es dennoch auf den Frachter stellen. Wenn Corona uns lässt.
      Ich fürchte, es wird einen neuen ernüchternden Beitrag auf dieser Seite geben: Das Verschiffen von Yachten mit Sevenstars …..

      Bleib gesund,

      Martin

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