change course – Abschied von Cheglia

Unser Motto – entspannt losfahren und glücklich ankommen.

Das war ein gutes Motto! Das behalten wir bei. Und ergänzen es ….  „adventure before dementia“

 

Unser Abschied von Cheglia – wie soll es anders sein – ist mit einem lachenden Auge:

Und einem weinenden Auge:

Schon als Cheglia bei BOREAL in Treguier gebaut wurde, war klar, so ein Schiff  muss fahren, da muss man drauf wohnen und sie würde verkauft, sollte das für uns nicht mehr der Fall sein (können), und sie würde nur an jemanden gehen, der gut zur ihr ist und weit und immer reisen will.

Corona. Vor Corona sind wir im November 2019 in Neuseeland angekommen, hatten bis dahin wunderbare 3 Jahre, mit großer Freizügigkeit im Tun und Handeln, mit vielen, vielen Gastfreundschaften, Segelfreundschaften und ein paar Freunden fürs Leben, unvergesslichen Eindrücken über und unter Wasser, auf dem Meer und an Land, mit wunderschönen und schwierigen Momenten. Für uns, ganz klar, sind besonders die Orte der Gastfreundschaften, die am prägnantesten in Erinnerung bleiben. Die paar Fehlschläge und Beulen, technische Pannen und Frustrationen, Seekranksein oder irgendwo festhängen sind dagegen schon fast vergessen, da bleibt nur ein lachendes Auge zurück.

Im Juli 2020, nach unserer Rückkehr nach Treguier, hatten wir noch „Nord“-Pläne. In 2021 wollten wir nach Schottland, Island, Norwegen. – Bis heute alles perdu – Corona Restriktionen überall, keine reguläre Einreise möglich. Da beginnt das weinende Auge.

Ende letzten Jahres  hatten wir Jean Francois von Boreal gesagt, wenn er einen „guten“ Käufer findet, würden wir überlegen, ob wir Cheglia verkaufen. Anfang Juni, wir waren gerade bei einem Freund in Venedig, rief uns JF an „Jean Pierre will Cheglia kaufen …“ Er will durch die Nordwest Passage nach Alaska, über französisch Polynesien, um Cap Horn, nach South Georgia, zurück nach Frankreich. Was für ein Plan. Für so etwas wurde Cheglia konstruiert. Wir haben eine Träne verdrückt – und ja gesagt.

Es gibt den blöden Spruch, von den zwei glücklichsten Tagen eines Bootseigners: Der Tag des Kaufs – und der Tag des Verkaufs.

Also, wir waren nicht glücklich beim Verkauf. Cheglia war eine sichere Bank, über viele Seemeilen, in Riffen und Buchten, in stürmischer See und an Champagner-Segeltagen.

Wir haben im Allgäu ein schönes Bild gekauft, es hängt jetzt über unserem Sofa. Es heißt:

„Reise immer“

 

England – sailing into Corona restrictions, again

Warmest greetings from a very cold England (Lydia wore two down jackets on top of each other)

Yesterday we walked from the marina to Hamble le Rice and had an al fresco dinner at the River Rat. It was the first night, restaurants were allowed open after many weeks of Corona limitations. What a treat!

The day before, July 3rd, was Lydia‘s birthday and we had BD dinner from a take away Fish and chips in Warsah, outside on the habormaster´s brick wall.

Cheglia was unloaded in Southampton perfectly on time Thursday, July 2nd around 14:00.

We had a berth reservation with Hamble Point Marina. After docking there, the manager asked us to leave, again, because we wanted to stay and sleep on board. Which was officially not allowed until yesterday, Saturday July 4th, that was.

We were taken by surprise, and started calling around, until the very friendly Christina from Universal Marina allowed us in and arranged for a dock for our maintenance even though they have very few docks for larger boats. We can greatly recommend this marina with hard working people trying to find solutions and the will to help.

We will stay a few more days and wait for more suitable wind and weather to sail south-west, to Treguier in Bretagne.

Southampton ETA 2.7.2020 – Corona times

Wir haben gerade, 29.6. 11:00, die aktuellen Satellitendaten „unserer“  Minervagracht heruntergeladen, sie hat noch etwa 900NM vor sich, dürfte demnach pünktlich am 2.7. in Southampton ankommen. Noch gibt es keinen Entladeplan. Wir wissen also noch nicht genau, wann wir bereit stehen müssen, um unser Boot in Empfang zu nehmen.

Großbritannien hat – wie immer und bei allem – natürlich auch seine eigene Vorgehensweise mit Covid 19. Einreisende müssen eine freiwillige 14-tägige Quarantäne einhalten. Klasse. Ausnahmen gibt es, u.a. für Seamen & Masters. Ich habe eine Bestätigung der Reederei, dass ich zum Empfang der Yacht um den 2.7. in Southampton auf der MV Minervagracht zugegen sein muss. Lydia hat ein seafarer enployment agreement. Schaun mer mal, ob das mit unseren englischen Segeldiplomen, Yachtmaster etc. und den Verschiffungs- und sonstigen Zolldokumenten ausreicht.

Vorsichtshalber haben wir einen Platz – mit Ende offen – in einer Marina im Hamble River (in unmittelbarer Nähe zum Entladepunkt) gebucht.

Auch vorsichtshalber haben wir die Seastart-Telefonnummer ganz oben in der Telefon-Liste gespeichert. Seastart ist eine Art ADAC in englischen Gewässern. Wir fürchten nämlich, dass unsere Batterien nach 2 Monaten Transport möglicherweise nicht mehr in bester Motorstart-Verfassung sind. Bisschen blöd, wenn wir neben dem Frachter im Wasser hängen und unseren Motor zum Wegfahren nicht starten könnten…

So, jetzt buche ich für den 1.7. Flüge nach Heathrow. Wir werden eine Nacht in Southampton im Hotel verbringen und auf Cheglia‘s Entladung am voraussichtlich nächsten Tag warten.

Sevenstars or seven hells? Before the shipment date

We are about to freighter our sailing vessel „Cheglia“ from New Zealand to Southampton, UK. We had been in contact with Sevenstars for a while. This trip first was announced for March 2020, and all of our planning was geared towards an early March departure.

Cheglia was still under repair in Opua, and the schedule was ambitious. I flew back to NZ on February 5th, Lydia had to stay home due to her back injury. Remember these days before Corona? You could just book a flight, depart and arrive on time – all of that  without restrictions.

We hoped for quick seatrials with our repaired Cheglia (thank you SeaPower in Opua)  to check all systems, before we contract with Sevenstars. Besides the fact, that these guys are not known for modest pricing, their contract is cut throat and not negotiable.

I signed a few contracts in my life, but this thing was a new experience. We all can appreciate, that a sea transport of a yacht is not easy. Schedules are difficult to set, maintain, and to keep. Weather, not enough bookings, diverging boat owner‘s priorities, timing with shipping companies etc.pp.

I learned a few things:

AGW WP = All goes well, weather permitting (which basically makes the schedule meaningless for the shipping company) is an official INCO term…

However: „demurrage of € 15.000“ means, this is the DAILY fee charged to the yacht owner, if the ship had to wait for a yacht, which has to make itself available on short notice.

Cancellation fees are UPWARDS of 80% of the total contract value, if cancelled at least 30 days prior to departure, going up to 100%, if cancelled short notice.

The crux is, the contract allows Sevenstars to delay the departure practically unlimited, without yacht owner had a chance to cancel the contract, or getting his 25% downpayment back – „unfair“?

Well, knowing all this we signed the transport Agreement 13.3.2020. The good news: engine, gearbox, generator, bowthruster, all work well.

Meanwhile, the estimated time for loading in Auckland had slipped to „on or about“  4.4.-15.4. … „MV Minervagracht“ was en route from Singapore.

Then, New Zealand hit the „Corona brake“  level 2 on March 21st,  two days later Level 3, and effective March 25 Level 4, practically a complete lock down, a corfew for all here, which were not deemed „essential services“. The scheduled arrival date was moved to May 3 rd and then to 5th, 2020.

Sevenstars mailed, that under Level 4 delivery crews to bring the yachts to the freighter are not considered essential services. Lock down. MV Minervagracht stopped and anchored in West Australia. And still does so today, April 6th.

https://www.marinetraffic.com/en/ais/home/shipid:271518/zoom:14

to be continued

N.Z. : Nature is king!

Nach unserer Ankunft brauchen wir erstmal ein paar Tage, bzw. Nächte zum Ausschlafen, geniessen wohlgefüllte feinsaubere Supermärkte…. Und schauen uns die Gegend um Opua an. Gleich der erste Eindruck – dieses Land ist überwältigend schön. Es gibt äussert gut gepflegte Wanderwege, auf denen wir nach so langen Zeiten mit wenig Beinarbeit zuerst ganz schön zu tun haben, um sie zu bewältigen. Und es gibt auch Lydias Freund Bob vom Marina Rental Car. Wir haben die gute alte Strassenkarte und fahren einfach mal über Land, die hügelige Landschaft ist abwechlungsreich. Hier war alles voller Kauri Urwald. Diese Baumriesen und Heiligtümer der Maori wurden abgeholzt, Farmen haben die Wälder abgelöst. Traurig, über hundert Jahre her und unumkehrbar. Die Dörfer und kleinen Städte sind ziemlich enttäuschend potthässlich, man muss aber nur in die Perepherie, in die schönen Wohngebiete fahren, da finden wir nette Bed-and-Breakfast Unterkünfte.

Und dann geht es auch schon langsam Richtung Auckland und Flughafen….

Tonga nach Neuseeland – eine knackige Passage

Es sind nur etwas über 1000 NM (knapp 2000km), bei idealen Bedingungen 6 – 7 Tage. Aber das ist schon das Problem: es gibt seltenst ideale Bedingungen. Ziemlich genau alle 5 Tage kommt ein mehr oder weniger heftiges Tiefdruckgebiet aus Australien angerauscht, der Wind deht unweigerlich auf Südwest, genau aus der Richtung in die wir eigentlich wollen. Segeln bei viel Wind sind wir gewohnt, Segeln in hohen Wellen kann Cheglia auch. Aber gegenan 5 Meter Südpazifik Wellen, die Dinger haben von der Antartis aus ungebremst Anlauf genommen, UND Wind von vorn muss wirklich nicht sein. Die Idee ist, zunächst nach Westen loszufahren, während das eine Tiefe noch seine Kapriolen um Neuseeland schlägt, und dann hinter dem ersten Tief, aber bitte vor dem zweiten, bereits um die Nordspitze von Neuseeland herum zu sein. Das macht den Trip natürlich weiter (und damit länger).

Nach den ersten 200 NM liegt das Minerva Reef. Knapp an der Wasseroberfläche schliesst ein Ringriff einen perfekten Ankerplatz ein, mitten im Ozean, kein Land weit und breit. Da würden wir schon gern mal eine Nacht verbringen. Aber das hängt, klar, vom Wetter ab.

Voilla, alle Segler reden nur noch übers Wetter, die Scheisshausparollen werden weitergereicht, jeder hat oder kennt oder glaubt einen Wetterguru zu kennen, der das Wetter noch besser einschätzen kann als man selbst. Meteo Bob aus Neuseeland, oder Chris aus Florida? Alutia hat den einen, wir den anderen Guru. Wir müssen dadurch, der Guru bleibt vor seinem  Rechner und seinen Wetter-Modellen sitzen. Win/r/d schon werden.

Tonga – schnorcheln mit Buckelwalen

“Go, go ,go …” ruft der Captain, 4 Touris und unser Guide springen ins Wasser, kurz orientieren, Kamera an, schwimmen, schneller, und auf einmal gleitet der  erste Wal an uns vorbei. 15 Meter lang 30-40 Tonnen schwer. Und ganz schön flott ist die Dame, ruckzuck ist sie schon wieder ausser Sicht. Wir versuchen noch einmal Mal unser Glück, aber dieser Wal hat wohl keinen Bock auf uns und Joe, unser Guide, respektiert das. Wir suchen weiter.

Dann haben wir besonderes Glück. Ein Muttertier mit Baby schwimmt zusammen mit zwei stattlichen  männlichen Begleitern. Und wir begleiten die Gruppe fast zwei Stunden! Immer wieder bringt uns der Kapitän in unmittelbare Nähe zu den Walen. Wir springen ins Wasser, das Boot verzieht sich, wir schnocheln an der Oberfläche (tauchen mit Babies ist strikt untersagt) und der Formationsflug kommt auf uns zu, gleitet majestätisch heran, taucht tiefer, unter uns durch, und ist weg. Unser Boot sammelt die Schwimmer wieder ein.

Das Baby kommt als 3,5 – 4,5 Meter langer Winzling zur Welt,  gerade mal 900 KG schwer. Unser “Kleiner” ist schon 5-6 Meter lang und dürfte ein paar Tonnen wiegen.

Warum die beiden Männchen mit Mutter und Kind schwimmen, ist nicht ganz klar. Vielleicht sammeln sie Bonuspunkte, um im nächsten Jahr zu Vaterehren kommen zu können? Vielleicht macht sich die Gruppe an die lange Rückreise in die Antarktis?

Zwischen zwei Tauchgängen, das Boot fährt gerade in einem weiten Bogen an den Tieren vorbei, spring einer der Kolosse fast komplett aus dem Wasser, dreht sich um die Längsachse, und klatscht wieder ins Wasser. Sensationell.

Die Einheimischen erzählen gern von den strikten  Regeln, von der Zertifizierung der Bootsführer und der Guides. Es bleibt aber ein fader Beigeschmack. Die Wale werden stundenlang von den Touris umschwärmt, immer wieder bringen die schnellen Motorboote ihre Kunden nach vorn in den designierten Kurs der Tiere. In Vavau gibt es 56 Walboote, jeweils mit 4 oder 8 Touristen an Bord, jeder will den besten “Drop”, das beste Foto, das geilste Video…. und es ist ein teurer Spass! Dementsprechend fordernd sind die Kunden. Ich hoffe, das geht gut auf die Dauer …

 

 

Tonga – ein Königreich für ….

… Segler. Tonga ist der erste richtig gute Natur-Hafen mit Schutz  aus allen Himmelsrichtungen seit tausenden Meilen.

… Taucher: die Riffe und Korallen sind gesund, es gibt tolle Tauchgrotten, die in die Felsen erodiert sind, viele Fische, Delfine – und Wale.

… Blauwasser Party Freunde: eine Woche mit Vorträgen, Regattas, Parties.  Ca. 100 Boote kommen zusammen. Fast alle wollen nach Neuseeland.

… das erste Krankenhaus seit Tahiti, mit kleinem Labor, und Veronika, eine östereichische Ärztin, die sich um Lydia kümmert. Sie ist wieder von einem Moskito erwischt werden.

…. eine Tonga-Hochzeit!

 

 

8200 Meilen im Pazifik – ein Jahr mit viel Wasser unterm Kiel

Der größte Ozean der Erde – und wir mittendrin. Von Panama sind es 900 NM nach Galapagos, von dort 3.200NM bis zu den Marquesas, 550 Nm in die Mitte der Tuamutos, 270NM nach Papeete, 300NM über Huahine nach Maupihaa, 950 Nm nach Niue, 250NM nach Vava’u, Tonga’s nördliche Zivilisationsinseln, 1300NM nach Neuseeland, dazwischen noch meilenreiche Abstecher… das entspricht in etwa 115.000 Autokilometern in 10 Monaten.

Wir reisen im tropischen Südwinter, das Halbjahr OHNE Wirbelstürme. Wir haben das Wetter mit vielen Kapriolen erlebt. Ein paar Tage erfreuen wir uns an ruhiger See und leichten Winden,  (=Pazifik), an den meisten Tagen war es eher ziemlich windig, häufig nass und grau, manchmal stürmisch, fast immer mit unangenehmen Wellen. Der Hauptswell kommt aus süd/ südwestlicher Richtung, hervorgerufen durch die heftigen Stürme zwischen den Tropen und der Antartis.  Der Passatwind aus Ost/Südost baut die Windwellen aus dieser Richtung. Cheglia wird von der ersten Welle beschleunigt, von der nächsten gebremst, von der dritten von der Seite getroffen. Ganz entspannt? Naja – fast. Man gewöhnt sich an allem. Auch Dativ.

Dann kommt diese Konvergenzzone (ITCZ) ins Spiel. Sie hängt irgentwo im Westpazifik, zwischen Äquator und 20’ Süd, streift mal Tonga, dann ist sie in Polynesien, dann viel weiter im Norden. So ein richtiger Herumtreiber, ein Halodri ist die ITCZ. Sehr wechselhaftes, graues Wetter, viel Regen,  lokale Starkwinde, selten aus der Richtung, die wir brauchen.

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