Leben im Outport

Francois (einheimisch: Franz-way) liegt einfach nur spektakulär. Punkt. Wir haben – wie so oft – Glück und kommen samstags gegen 17.00 Uhr an, auf dem Dock stehen schon jede Menge Leute, um uns zu helfen und um sagen „Beeilt euch! Heute ist Francois Day und gleich gibt es Dinner im Community Center und danach Musik und Tanz!“ War nicht schwer uns zu überreden….. Das Dinner war sehr früh, der Tanz begann erst um 22.30! – nach acht Stunden Segeln waren wir eigentlich müde, aber nicht dabei sein ging natürlich gar nicht. DER Alleinunterhalter aus Francois hat dann auch richtig gut aufgespielt. Das gesamte Dorf, wir und noch ein englisches Paar haben kräftig das Tanzbein geschwungen. Uns kannte spätestens danach jeder. Und wir haben viel mitbekommen wie es sich an einem Ort leben lässt, zu dem weit und breit keine Straße führt, der drei Monate Sommer hat, außer Tundra, ein paar Beeren sehr wenig Vegetation und dann neun Monate Winter. Mit heftigen Stürmen und viel Schnee. Immerhin – es gibt eine Fähre, die täglich morgens in den nächstgelegenen Ort MIT Straße fährt und abends zurück. Wenn das Wetter es zulässt. Im letzten Winter ist sie acht Wochen lang nicht gefahren. Und konkret heißt es, vier Stunden Fähre, vier Stunden für Einkäufe, Arztbesuche, Erledigungen, vier Stunden Fähre. 72 ganzjährige Bewohner hat das Dorf noch, davon 9 Schüler. Der jüngste ist erst 7 Jahre alt. Aber nach ihm wird ziemlich sicher nichts mehr kommen. Vor 40 Jahren hatte die Schule noch 150 Schüler. Wir haben niemanden in Francois gesprochen, der daran glaubte, dass das Dorf überleben könne. Damit geht eine Kultur unter.

Auch wenn Einzelne sich Mühe geben – wie Lorreta und Greg mit Marc. Sie haben den wahrscheinlich abgelegensten Pub der Welt – a „Privat Pub“. D.h. sie haben einen alten Fischerschuppen umgebaut. Wichtigstes Möbel ist der Kühlschrank, in dem immer einige Biere sind, ansonsten bringt jeder was mit. Kaufen kann man nichts. Und dieser Pub ist der gemütlichste, den man sich vorstellen kann…… Aber nur offen, wenn die drei aus Halifax in Francois sind.

Wir sind die Flanken des Fjordes hoch gelaufen. Dort oben sind nur Tundra, Seen, Granit, Wind und atemberaubende Ausblicke!

Francois ist auch unser Wendepunkt. Die Wettervorhersagen sehen gar nicht gut aus, viel Wind und Wellen, am liebsten aus der falschen Richtung. Aber wir müssen zurück, um Kai rechtzeitig abholen zu können. Plötzlich tut sich ein günstiges Wetterfenster für ca. 30 Stunden auf, Skipper Martin entscheidet – sofort los! Und er hat recht – wir kommen gut wieder nach Nova Scotia und machen nach knapp 30 Stunden in Baddeck (wieder Bras d’Or Lakes) fest – und kräftiger Wind und Regen sind da. Ich bin sehr froh.

Ein Gedanke zu „Leben im Outport“

  1. Bei den Bildern und Videos,bekommt man wirklich Fernweh,so schön muß es da sein! Beneidenswert ! Und dann noch die netten Leute,also alles perfekt.Liebe Grüße Doris.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.