Transit Panamà Kanal

Zwei Tage vor dem geplanten Termin treffen sich die drei Skipper der Boote, die zusammen durch den Kanal fahren sollen, zu einem ersten Briefing. Einer der drei hatte schon Erfahrung wie das läuft und kommt mit einem selbstgebauten Modell zu dem Treffen. Martin erklärt uns, was zu tun ist und wir üben erstmal – noch schön festgebunden in der Marina.

Vier „Linehandler“ (zwei vorn, zwei hinten) brauchen wir, den Captain nur zum Steuern des Schiffes und dann kommt ein offizieller Adviser an Bord.

Einen Tag vorher kommt der Kanal-Agent, der für uns den Papierkram und die ganze Organisation übernimmt und bringt uns dicke lange Leinen und viele grosse Fender. Eine gewisse Spannung und Nervosität ist da. Und viel Vorfreude. Am 30. Januar um 15.oo Uhr sollen wir in der vorgelagerten Bucht unseren Adviser  an Bord nehmen und mit den anderen beiden Segelbooten gemeinsam durch den Kanal fahren. Es wird dann zwar eine Stunde später und ein Boot weniger, aber dann geht es für Cheglia und Ari B. los. Vor der ersten Schleuse binden wir beide Boote aneiander, dann geht erst durch die drei Gatun-Schleusen knapp 30 Meter nach oben, dann sind wir im Gatun-See. Wir machen wir an einer ca. 4 Meter-Durchmesser-grossen Boje längsseits (!) für die Nacht fest.  Am nächsten Morgen kommen die Adviser – wir haben zwei, einen Ausbilder und einen Nachwuchspiloten, wieder an Bord. Dann fahren wir mit all den anderen grossen Pötten durch den wunderschönen See. Anhalten gibt es allerdings nicht. Im Gegenteil. Die Adviser wollen Tempo. Am Nachmitttag sind wir vor den drei Miraflores- Locks und es geht wieder runter. In den Kammern gibt es unglaubliche Strömungen – zum einen durch das rasend schnell rein- oder rausbrausende Wasser, dann durch die Bug- oder Heckwelle des grossen Schiffes, das jeweils mit uns durch die Schleusen fährt und an der ersten und letzten Schleuse, dass grosse Mengen Süss- und Salzwasser plötzlich ineinander strömen.  Wir hatten viel gelesen, einen tollen Dokumentarfilm gesehn und es war faszinierend mit dem eigenen Schiff durch dieses Jahrhundertbauwerk zu fahren. Irgendwie lief alles ziemlich entspannt, alles hat geklappt. Und dennoch – wir waren alle abends um 8 Uhr schlagkaputt im Bett.

Fakten: Kammern sind 320 m lang, 33 m breit , Schiffe können bis zu 300 m lang sein = max. 5100 Containers  und sie brauchen NUR 0,6 m an beiden Seiten Raum! (alte Panamaxgrösse)  Die neuen Locks sind für die noch grösseren Schiffe gebaut worden – 427 m lang, 55 m breit und 18,3 m tief -. Sie können nun bis zu 14.500 Container transportieren!

San Blas Inseln

Irgendwie wollten sie uns nicht richtig haben. Die spirits nicht gut?? Wahrscheinlich haben diese spirits schon gemerkt, dass da was im Busch ist. Dass da jemand ankommen will, der ein Dengue Virus spazierenfährt. Wie dem auch sei, aus ursprünglich geplanten / gewünschten zweieinhalb Wochen auf den Inseln werden dann nur vier Tage. Denn erst haben wir all die anderen Umwege, dann weigert Martin sich auf die San Blas Inseln zu fahren solange ich noch Fieber habe. Ist auch ne gute Entscheidung. Aber dass Joe und Jeannine aus Bolivien zu Besuch sind und Tag um Tag mit uns in der Marina verbringen müssen, ist dann doch blöd. Das Fieber geht dann irgendwann runter und wir können endlich los. Es gibt wenig Fotos von dieser Zeit. Der eine Fotograf war krank, der andere Krankenpfleger.

So kurz es ist, so wunderschön und interessant sind die Inseln. Schön, weil umgeben von Riffen, weißen Schaumkronen und allen erdenklichen Blau-, Grün- und Türkistönen, weißer Sand, mal nur eine, mal überbordende Palmen, eine Hütte dazwischen. Postkarte! Interessant, weil das Leben der Kuna- oder Gunaindianer sehr viel anders ist als das, was wir kennen. Seeehr verkürzt und vereinfacht, dreht sich ihr Leben, Glauben oft um die guten und bösen spirits und darum, sie jeweils in Balance zu bringen und zu halten. Gut 50.000 leben in Kolumbien und Panamá, einige davon auf den San Blas Inseln. Das Gebiet der Kunas gehört zu Panamá, ist aber autonom und von den Indianern selbstverwaltet. Auf den größeren Inseln gibt es Dörfer, die meisten der ca. 400 Inseln aber sind unbewohnt.

Dennoch kommen die Kunas gleich in ihren Einbäumen angepaddelt und verkaufen uns gerade gefangene  Lobster und Kalamares.  In der Küche versuchen uns erstmals an Kalamares, man muss die Tiere nur vorher richtig durchhämmer, dann sind die Tentakeln weich und lecker. Lobster kochen hatten wir schon in Kanada gelernt. Piece of cake….Alles sehr lecker.

Und es lässt sich auch Lisa von ihrem Ruderer zu unserem Boot paddeln. Sie verkauft, wie fast alle Frauen, ihre wunderschönen selbstgemachten Molas. Das sind gefärbte Stoffe, die mit einer speziellen Näh- und Schneidetechnik und durch verschiedene Lagen von Stoffen sehr schöne Muster ergeben. Diese Molas werden in die Kleider der Frauen integriert und haben dann sicher auch gute spirits. Während Lisa mir alle ihre Molas zeigt und wir ganz angeregt darüber plaudern, frage ich mich, was irgendwie anders wirkt. Kurz danach erfahre ich, dass sie diejenige ist, die die schönsten Molas macht und dass sie der bekannteste Transvestit ist. Und dass das bei den Kunas ganz normal zum Leben dazu gehört. Genauso, dass zwar jede Kokosnuss einen Besitzer hat (also keine einfach mitnehmen!), aber die Hütten mal von der und mal von einer anderen Familie bewohnt werden. Heiraten dürfen sie nur untereinander, ansonsten werden sie ausgeschlossen. Vieles ist anders, und schön ist es zu erleben wie freundlich und ruhig die Menschen sind und wie zurückhaltend sie sich uns gegenüber verhalten, die wir in ihre Welt kommen.

 

Nach Panamà…..

Kurz vor Weihnachten starten wir von Santa Marta nach Panamà. Gut zwei Tage dauert die Reise. Unser Ziel sind die San Blas Inseln. Schon in der ersten Nacht macht es einen Riesen „Rumms“ – irgendetwas hat uns gerammt. Natürlich können wir nicht sehen was es war. Aber wir sind sehr froh, dass wir ein Aluminiumboot haben! Am nächsten Tag werden die Wellen höher und immer unangenehmer je näher wir zur Küste kommen. Und in den ganz hohen Wellen ist das immer dieses laute Geräusch. Doch etwas beschädigt? Wir ändern unseren Plan, lassen die von den Kuna-Indianern bewohnten San Blas Inseln – im wahrsten Sinne des Wortes – links liegen und steuern die grosse und sichere Bucht und das Örtchen Portobello an. Von dort kommen wir wenigstens irgendwohin, falls es nötig wäre. Die letzten Stunden sind echt nicht schön. Hohe Wellen aus allen möglichen Richtungen und immer mehr riesige Frachter um uns rum, weil wir schon in der Einfahrt zum Kanal sind. Wenden in 4 – 5 m hohen Wellen, puh! Als wir endlich ruhig und sicher am Anker liegen, taucht Martin sofort um das Boot herum – nichts passiert! Lediglich der Anker hatte sich (vielleicht durch den Rumms?) etwas gelockert und ist in den hohen Wellen dann gegen den Bug geschlagen. Nochmal puh! In Portobello (das ist übrigens die Bucht, von der aus die Spanier alles Gold und Silber, das sie den Inkas geklaut hatten, nach Europa verschifft haben) erreichen wir endlich den Agenten, den wir für den Kanaltransit angeheuert haben. Ja, so etwas gibt’s: Es bedeutet viel Papierkram, viel Organisation und alles auf Spanisch. Er sagt uns, wenn Ihr einen Termin haben wollt, müsst Ihr erstmal zur Kanalbehörde fahren und Euer Boot vermessen und durchchecken lassen. Ok, also immer noch keine San Blas Inseln. Aber dafür Weihnachten an Bord vor Portobello!

Am 26. 12. segeln wir weiter – zum Panamàkanal. Ich finde es super spannend. Riesige Frachter, die teilweise auf ihre Durchfahrt warten, teilweise raus- oder reinfahren und ein massives Breakwater, so gross habe ich das noch nie gesehen, durch das alle Schiffe durch müssen. Die Riesen genauso wie wir. Am nächsten Tag kommt der „Offizielle“ von der Kanalbehörde an Bord, macht den ganzen Papierkram, vermisst unser Schiff und dann haben wir die Genehmigung in der Hand. Unser Transit wird am 30. Januar 2019 sein.

Am nächsten Morgen wollen wir endlich zu den San Blas Inseln. Doch in der Nacht habe ich abwechselnd Schüttelfrost, Schweissausbrüche und bald Fieber. Wir fahren nur in die nächste Marina und ich bin für eine Woche völlig ausgeschaltet. Wie sich später herausstellt, war es ein Moskito noch in Kolumbien, der mich mit Denguefieber infiziert hatte.