N.Z. : Nature is king!

Nach unserer Ankunft brauchen wir erstmal ein paar Tage, bzw. Nächte zum Ausschlafen, geniessen wohlgefüllte feinsaubere Supermärkte…. Und schauen uns die Gegend um Opua an. Gleich der erste Eindruck – dieses Land ist überwältigend schön. Es gibt äussert gut gepflegte Wanderwege, auf denen wir nach so langen Zeiten mit wenig Beinarbeit zuerst ganz schön zu tun haben, um sie zu bewältigen. Und es gibt auch Lydias Freund Bob vom Marina Rental Car. Wir haben die gute alte Strassenkarte und fahren einfach mal über Land, die hügelige Landschaft ist abwechlungsreich. Hier war alles voller Kauri Urwald. Diese Baumriesen und Heiligtümer der Maori wurden abgeholzt, Farmen haben die Wälder abgelöst. Traurig, über hundert Jahre her und unumkehrbar. Die Dörfer und kleinen Städte sind ziemlich enttäuschend potthässlich, man muss aber nur in die Perepherie, in die schönen Wohngebiete fahren, da finden wir nette Bed-and-Breakfast Unterkünfte.

Und dann geht es auch schon langsam Richtung Auckland und Flughafen….

Segeln von Tonga nach Neuseeland

Also – wir warten. Freunde von uns bekommen plötzlich die große Unruhe. Wir bremsen sie immer wieder, zum Glück wie sich später herausstellt. Und plötzlich dreht der Wind und es sieht gut aus, zumindest für die erste Strecke bis zu den Minerva Reefs. Los gehts. Mit viel Wind rauschen wir in schneller Fahrt ins Minerva Reef North. Bald liegen 28 Boote dort! So ein eindrucksvoller „Hafen“. Bei Ebbe kann man das Riff sehen, es ist fast 500 m breit und man kann sogar drauf rumspazieren. Der Wind zischt natürlich drüber hinweg, aber die Wellen sind gebrochen. Drei Tage lang strammer Südwind. Ein Boot versucht es trotzdem und dreht nach 24 Stunden entnervt, erschöpft um und kommt wieder zurück. 5-6 Meter hohe Wellen von vorn, kein Vorwärtskommen. Ein paar andere Boote haben sich auf eine für uns komplett unverständliche Empfehlung von weatherBob verlassen und kämpfen fünf Tage gegen Sturm und Wellen mit Kurs NW, also mehr zurück als vorwärts! Um dann später 4 Tage durch die Flaute zu motoren. Fast alle anderen Boote aus dem „Minerva Yacht Club“ verlassen -wie wir – am 1./2. November innerhalb von 36 Stunden das Riff Richtung Neuseeland. 

Wir starten erst hoch am Wind, die Dünung vom Sturm ist noch da, also erstmal 48 nicht so gemütliche Stunden. Dann kommt der Wind rum aus Richtung Osten und lässt nach. Machen wir mal den Motor an…..  Nix geht!

Erst denken wir auch, Sch…. Unsere norwegischen Segelfreunde von Alutia, Mille Momenti ( die beiden anderen Boreal) und Malisa werden sofort aktiv. Malisa schreibt, wir drehen um und kommen die 30 nm wieder zurück und helfen Euch mit Starterbatterie oder Reparatur. Alutia und Mille Momenti tauschen sich über einen passenden Startermotor aus und versuchen über Norwegen einen schon nach Neuseeland zu bestellen. Dann taucht der deutsche Katamaran Belena (das einzige Boot, das wir unterwegs sehen!) wie von Wunderhand auf. Wir funken sie an, sie bauen sofort ihre Starterbatterie aus und wir machen das Dinghy klar. Mitten im Pazifik. Zwar wenig Wind, aber immer noch hohe Dünung. Das kleine Gummiboot mit Martin drin…. bis wir den Outbord dranhaben, die schwere Batterie hoch und runter, das Dinghy von Bord und wieder an Bord…. Und wir bekommen von Benno und Marlene noch zwei Kanister mit Trinkwasser. Nach dieser Aktion sind wir beide fix und alle. Und gebracht hat sie nix. Außer – die wunderbare Erfahrung von soviel Unterstützung und Hilfe und – Klarheit. Es bleibt nix als segeln. Und dann haben wir unsere schönste lange Passage. Ein paar Stunden ist Flaute, wir nehmen die Segel runter und genießen einen Kaffee und lesen in der Sonne. Meine einzige Sorge ist nur, dass wir so langsam sind, dass uns das nächste Tief noch auf die Nase haut. Aber dann gehts weiter, mal ne ganze Nacht mit nicht mal zwei Knoten, mal gehts zügig voran… Mein Bruder kümmert sich mit seinen Nachrichten ganz wunderbar um unser seelisches Wohlbefinden, unsere Segelfreunde sind mit Positionsmeldungen bei uns. Allen noch mal ein dickes DANKESCHÖN.

Mit der letzen Brise erreichen wir abends um 22.00 eine ruhige („da sind bestimmt kaum Boote drin, wir haben Platz, falls was schief geht“) Bucht und lassen unter Segeln in der Bay of Islands den Anker fallen. Am nächsten Morgen staunen wir nicht schlecht über 100e Boote in unserer Bucht. Dann kommt Bruce mit seinem Dinghy und schleppt uns in die Marina. Und wir sind da!!!

Am Abend gibt es gleich eine große Party im „Cruiser Club“ in der Marina – die Princess of the Pacific Party. Große Erleichterung und dementsprechend ausgelassene Stimmung bei allen, bei manchen (äähmm, wem wohl ?!!) bis in den frühen Morgen…

Tonga nach Neuseeland – eine knackige Passage

Es sind nur etwas über 1000 NM (knapp 2000km), bei idealen Bedingungen 6 – 7 Tage. Aber das ist schon das Problem: es gibt seltenst ideale Bedingungen. Ziemlich genau alle 5 Tage kommt ein mehr oder weniger heftiges Tiefdruckgebiet aus Australien angerauscht, der Wind deht unweigerlich auf Südwest, genau aus der Richtung in die wir eigentlich wollen. Segeln bei viel Wind sind wir gewohnt, Segeln in hohen Wellen kann Cheglia auch. Aber gegenan 5 Meter Südpazifik Wellen, die Dinger haben von der Antartis aus ungebremst Anlauf genommen, UND Wind von vorn muss wirklich nicht sein. Die Idee ist, zunächst nach Westen loszufahren, während das eine Tiefe noch seine Kapriolen um Neuseeland schlägt, und dann hinter dem ersten Tief, aber bitte vor dem zweiten, bereits um die Nordspitze von Neuseeland herum zu sein. Das macht den Trip natürlich weiter (und damit länger).

Nach den ersten 200 NM liegt das Minerva Reef. Knapp an der Wasseroberfläche schliesst ein Ringriff einen perfekten Ankerplatz ein, mitten im Ozean, kein Land weit und breit. Da würden wir schon gern mal eine Nacht verbringen. Aber das hängt, klar, vom Wetter ab.

Voilla, alle Segler reden nur noch übers Wetter, die Scheisshausparollen werden weitergereicht, jeder hat oder kennt oder glaubt einen Wetterguru zu kennen, der das Wetter noch besser einschätzen kann als man selbst. Meteo Bob aus Neuseeland, oder Chris aus Florida? Alutia hat den einen, wir den anderen Guru. Wir müssen dadurch, der Guru bleibt vor seinem  Rechner und seinen Wetter-Modellen sitzen. Win/r/d schon werden.