Tonga – schnorcheln mit Buckelwalen

“Go, go ,go …” ruft der Captain, 4 Touris und unser Guide springen ins Wasser, kurz orientieren, Kamera an, schwimmen, schneller, und auf einmal gleitet der  erste Wal an uns vorbei. 15 Meter lang 30-40 Tonnen schwer. Und ganz schön flott ist die Dame, ruckzuck ist sie schon wieder ausser Sicht. Wir versuchen noch einmal Mal unser Glück, aber dieser Wal hat wohl keinen Bock auf uns und Joe, unser Guide, respektiert das. Wir suchen weiter.

Dann haben wir besonderes Glück. Ein Muttertier mit Baby schwimmt zusammen mit zwei stattlichen  männlichen Begleitern. Und wir begleiten die Gruppe fast zwei Stunden! Immer wieder bringt uns der Kapitän in unmittelbare Nähe zu den Walen. Wir springen ins Wasser, das Boot verzieht sich, wir schnocheln an der Oberfläche (tauchen mit Babies ist strikt untersagt) und der Formationsflug kommt auf uns zu, gleitet majestätisch heran, taucht tiefer, unter uns durch, und ist weg. Unser Boot sammelt die Schwimmer wieder ein.

Das Baby kommt als 3,5 – 4,5 Meter langer Winzling zur Welt,  gerade mal 900 KG schwer. Unser “Kleiner” ist schon 5-6 Meter lang und dürfte ein paar Tonnen wiegen.

Warum die beiden Männchen mit Mutter und Kind schwimmen, ist nicht ganz klar. Vielleicht sammeln sie Bonuspunkte, um im nächsten Jahr zu Vaterehren kommen zu können? Vielleicht macht sich die Gruppe an die lange Rückreise in die Antarktis?

Zwischen zwei Tauchgängen, das Boot fährt gerade in einem weiten Bogen an den Tieren vorbei, spring einer der Kolosse fast komplett aus dem Wasser, dreht sich um die Längsachse, und klatscht wieder ins Wasser. Sensationell.

Die Einheimischen erzählen gern von den strikten  Regeln, von der Zertifizierung der Bootsführer und der Guides. Es bleibt aber ein fader Beigeschmack. Die Wale werden stundenlang von den Touris umschwärmt, immer wieder bringen die schnellen Motorboote ihre Kunden nach vorn in den designierten Kurs der Tiere. In Vavau gibt es 56 Walboote, jeweils mit 4 oder 8 Touristen an Bord, jeder will den besten “Drop”, das beste Foto, das geilste Video…. und es ist ein teurer Spass! Dementsprechend fordernd sind die Kunden. Ich hoffe, das geht gut auf die Dauer …

 

 

Tonga – ein Königreich für ….

… Segler. Tonga ist der erste richtig gute Natur-Hafen mit Schutz  aus allen Himmelsrichtungen seit tausenden Meilen.

… Taucher: die Riffe und Korallen sind gesund, es gibt tolle Tauchgrotten, die in die Felsen erodiert sind, viele Fische, Delfine – und Wale.

… Blauwasser Party Freunde: eine Woche mit Vorträgen, Regattas, Parties.  Ca. 100 Boote kommen zusammen. Fast alle wollen nach Neuseeland.

… das erste Krankenhaus seit Tahiti, mit kleinem Labor, und Veronika, eine östereichische Ärztin, die sich um Lydia kümmert. Sie ist wieder von einem Moskito erwischt werden.

…. eine Tonga-Hochzeit!

 

 

8200 Meilen im Pazifik – ein Jahr mit viel Wasser unterm Kiel

Der größte Ozean der Erde – und wir mittendrin. Von Panama sind es 900 NM nach Galapagos, von dort 3.200NM bis zu den Marquesas, 550 Nm in die Mitte der Tuamutos, 270NM nach Papeete, 300NM über Huahine nach Maupihaa, 950 Nm nach Niue, 250NM nach Vava’u, Tonga’s nördliche Zivilisationsinseln, 1300NM nach Neuseeland, dazwischen noch meilenreiche Abstecher… das entspricht in etwa 115.000 Autokilometern in 10 Monaten.

Wir reisen im tropischen Südwinter, das Halbjahr OHNE Wirbelstürme. Wir haben das Wetter mit vielen Kapriolen erlebt. Ein paar Tage erfreuen wir uns an ruhiger See und leichten Winden,  (=Pazifik), an den meisten Tagen war es eher ziemlich windig, häufig nass und grau, manchmal stürmisch, fast immer mit unangenehmen Wellen. Der Hauptswell kommt aus süd/ südwestlicher Richtung, hervorgerufen durch die heftigen Stürme zwischen den Tropen und der Antartis.  Der Passatwind aus Ost/Südost baut die Windwellen aus dieser Richtung. Cheglia wird von der ersten Welle beschleunigt, von der nächsten gebremst, von der dritten von der Seite getroffen. Ganz entspannt? Naja – fast. Man gewöhnt sich an allem. Auch Dativ.

Dann kommt diese Konvergenzzone (ITCZ) ins Spiel. Sie hängt irgentwo im Westpazifik, zwischen Äquator und 20’ Süd, streift mal Tonga, dann ist sie in Polynesien, dann viel weiter im Norden. So ein richtiger Herumtreiber, ein Halodri ist die ITCZ. Sehr wechselhaftes, graues Wetter, viel Regen,  lokale Starkwinde, selten aus der Richtung, die wir brauchen.

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Wale im Königreich Tonga

…. wir haben etwa 4 Wochen Zeit, bevor hier der Winter endet. Dann können/wollen wir nach Neuseeland weiter. Im Südpazifik beginnt die Zyklonsaison (Hurrikan auf Pazifisch) ab dem 1. November, allerdings mit einem zunächst sehr kleinem Risiko. Die Seglerkollegen, und wir, warten auf ein Wetterfenster, d.h. eine  möglichst moderate Wetterprognose für den geplanten Trip.

4 Wochen für eine ziemlich kleine Inselgruppe. Kurze Wege zwischen den verschiedenen Inseln, abwechslungsreiche Ankerbuchten, erstaunliche Restaurants, tolle Tauchstellen, und: schwimmen mit den Buckelwalen und ihren Babies.

Buckelwale sind gigantisch, bis zu 40 Tonnen schwer, über 15 Meter lang. Die Muttertiere  kommen aus der Antarktis hierher um die Jungen zu gebären und die ersten Monate geschützt aufzuziehen; die Vatertiere kommen aus der Antarktis hierher um neue Junge zu zeugen. Alles beim alten: die Kerle schwimmen den Weibern hinterher.

Tonga hat sich einen zweifelhaften touristischen Ruf erworben: hier darf man auf streng geregelten Touren mit den Walen schwimmen/schnorcheln. Kritiker gibts natürlich zu Hauf, die Wale würden unter Stress gesetzt, möglicherweise die Jungen zurücklassen und in die Antarktis zurückschwimmen und nie wieder zurückkommen….  naja, wir werden es trotzdem mal ausprobieren – denächst mehr.

Von Maupihaa nach Palmerston, Cook Inseln

Palmerston, ein kleines Atoll der südlichen Cook Inseln, liegt am Wegesrand nach Niue.

Der Weg hierher ist nicht ohne. Windstärke 8, dementsprechende Windwellen aus Osten und ein zweites Wellensystem von den südlichen Winterstürmen ergeben eine beindruckende Waschmaschine. Cheglia kann das und surft durch die Wellensysteme.  Das ist Jammern auf hohem Niveau. Zum einen im direkten Wortsinn auf 5 Meter Wellenhöhe. Zum anderen, weil wir MIT Wind und Wellen unterwegs sind. Dagegen an fahren? Unmöglich. Lydia meint, sie schaut sowieso lieber nach vorn , denn wenn sie nach hinten schaut, sehen die Wellen einfach riesig aus, das stresst.

Prompt legen wir einen Sonnenschuss hin. Wind und eine besonders hohe Welle vertreiben das Boot quer, sofort kommt eine zweite hinterher und schüttelt uns ordentlich durch. Cheglia richtet sich aus beträchtlicher Schräglage wieder auf und segelt weiter.

Puh, Glück gehabt, denke ich noch, als wir bemerken, dass der Autopilot bei weitem nicht mehr so vehement zu Werke geht, wie zuvor. Bislang hat das Ding brilliant gesteuert. 1000de Wellen, immer wieder sauber genommen. Wir könnten auf den langen  Abschnitten nicht tagelang selbst steuern, viel zu anspruchsvoll und anstrengend. Und jetzt zickt er. Das Ruder bewegt sich nicht sehr weit, fühlt sich an, als wenn wir nach Steuerbord nicht so weit lenken können wie nach Backbord. Also tauschen wir den Autopiloten.  Cheglia hat zwei redundante Systeme. Sch…. aber das Ruder bewegt sich immer noch nicht geschmeidig. Der Autopilot wars demnach nicht. Noch 50 Meilen, bis Palmerston, 10 Stunden in Schleichfahrt, wir wissen ja noch nicht was kaputt ist. Kurz nach Mitternacht kommen wir an.
Ein Atoll im Pazifik! So ein romantischer Quatsch. Der letzte Rest Mond hat sich gerade verzogen, der Wind nochmal zugelegt. Im Pechschwarzen fahren wir auf ein Riff zu, davor sollen ein paar Moorings (am Boden befestigte Bojen zum Anlegen) liegen. Aber wo? In der Karte steht keine genaue Position; wir trauen uns nicht näher heran. Erst neulich haben wir eine ehemals stolze Yacht auf einem Riff liegen sehen. Nicht schön. Radar! Damit können wir auf den Meter genau ablesen, wie weit es noch zu dem anderen Boot und zum Riff ist…. wir kriechen heran und im zweiten Anlauf erwischen wir die Boje, liegen fest. Ankerbier, bitte.

Endlich Ruhe, hinter Insel und Riff geduckt, gemütlich ausschlafen – denkste. 3 Stunden später, gegen 5 Uhr morgens, der Kahn wackelt so komisch, etwas stimmt nicht. Hoppla, wir treiben aufs offene Meer hinaus. Die Ankerlichter der anderen drei Boote in weiter Ferne. Dieser ganze Mooring Mist hängt immer noch vorn am Boot, wir haben es einfach aus dem Meeresboden gezogen. Später lernen wir von Edward, dass diese Mooring gerade gewartet wird, und wir „nur“ an einem 50 Kilo Ersatz-Anker gehangen haben. Klasse. Wir hatten beim Festmachen die Mooring „überprüft“: Boot festbinden und dann Vollgas zurück. Hält. Gut.
Tja, 3 Stunden später haben wir den Salat. Wir warten auf Tageslicht, checken die Lage und müssen uns leider von Edward‘s Ankergeschirr verabschieden. Ruht jetzt auf 1000 Meter Tiefe.
Wir fahren zurück und ankern an gleicher Stelle mit unserem eigenen Anker. Fühlt sich gleich viel sicherer an.
Wie war das mit dem Ruder? Später, erstmal schlafen.

Der nächste Tag bringt mehr und mehr Wind. Lydi wird am Anker seekrank! Edward kommt vorbei, wir wollen ihm doch noch was Gutes tun, nachdem er seinen Anker und seine Kette verloren hat. Wir schenken ihm unseren alten, aber funktionsfähigen Aussenborder. Dann dreht der Wind, wir treiben immer näher aufs Riff. Also – Anker hoch und los. Nach Niue…..

Von Maupiti nach Maupihaa

Unsere Mitfahrerin Maureen kommt mit ihren beiden Schwestern („Eine ist eigentlich mein Bruder“) und ihrem kleinen herzzerreißend weinenden Sohn an Bord. Wollen sie alle mit? Nein, der Kleine muss mit Tanten und Oma bleiben, um in Maupiti in die Schule zu gehen. Er wird seine Mutter wochenlang nicht mehr sehen. Die „fünf Pakete“ werden eine kleine Truckladung voll, von Baguette bis Scooter-Ersatzreifen ist ALLES dabei. Und für alle Familien auf der Insel. Wir kennen bei unserer Ankunft und nach dem Ausladen also fast alle schon, zumindest alle kennen uns!

Maupelia oder Maupihaa auf Tahitianisch, liegt nochmal 105 NM = 190 km weiter westlich als unsere letzte Insel. Ich glaube, noch mehr mitten im Pazifik kann man gar nicht mehr sein. Bewohnt von nur 28 Menschen, die ausschließlich vom Kopra (Kokosnuss) Abbau leben. Sie stammen alle aus Maupiti.

Früher gab es hier im wilden Westen schon mal mächtig Stunk zwischen den verschiedenen Familien, deshalb wurde die Kooperation gegründet. Unter einer strengen Präsidentin wird zugeteilt, aufgepasst, Kopra auf- und nach Tahiti verkauft.

Zusammen mit unseren norwegischen Freunden, Birgitte und Olaf von SV ALUTI haben wir eine Tonne Lebensmittel und andere ‘affairs’ (Pakete) angeliefert. Zum Dank sind wir am ersten Abend bei Marcello und seiner Familie zum Essen eingeladen.

Marcello war früher Präsident der Kooperation. Und eine seiner Töchter, Faimanu, spricht richtig gutes Englisch. Daher wissen wir jetzt alles über die Kopra Arbeit, die Kooperation, die 200 Laufenden Meter Landzuteilung je Kooperationsmitglied. Marcello, seiner Frau Adrienne, den erwachsenen Töchter Carina und Faimanu ‘gehören’ 800 Meter wilde Kokusnuss Plantagen. Hier erarbeitet das Familienteam jährlich zwischen 8 und 12 Tonnen Copra. Der Jahreserlös beträgt 12.000€. Für die ganze Familie. Und sie gehören damit zu den Besserverdienern.

Allerdings verbunden mit vielen Entbehrungen. Das Versorgungsschiff kommt nur einmal im Jahr, das Speedboat, alle 3-4 Monate, es gibt 1 (!)  Satellitentelefon der Kooperation; die Telefoneinheiten müssen erst bezahlt werden, wenn das Kopra abgerechnet wurde. Es gibt kein Geld auf Maupelia. Transport Leistungen werden mit Hummern bezahlt. Oder wie bei uns, mit Einladungen zum Essen, Fisch wird ans Boot geliefert, wo immer wir sind, kommen all unsere „Freunde“ und bringen uns Kokuswasser o. Ä. Birgitte, Lydia und Martin schwelgen in Hummer und Riesenkokos-Krabben. Olav hat eine Allergie, der Arme, d.h. die anderen 3 ‘müssen’ umso mehr futtern.

So wie wir nehmen Segler regelmäßig dringend Benötigtes oder dringend Gewünschtes mit. Marcelo hat sich bislang dem Wunsch der Töchter nach einem Fernsehen widersetzt. Er meint, dann würde nicht mehr genug Copra produziert. Die Töchter kichern und geben im Recht.

Und wie kommen wir jetzt wieder nach Hause? Teil 2

Nur der Vollständigkeit halber, es gibt noch weitere Routen:

4. Die Kanaltour Retour: Von Tahiti nach Osterinseln dann die Küste von Südamerika hinauf, durch den Panama Kanal, durch die Karibik (Richtung Osten, gegen Wind und Strom …), Richtung Bermuda, Azoren, Frankreich. Klingt angenehm? Nein, nur wenige Abschnitte mit Wind und Wellen von hinten bedeuten im Umkehrschluss: viel Wind und Strom von vorne.  Eine sehr anspruchsvolle Route. Und, wie die alten Briten schon wussten: ein Gentleman segelt nicht gegenan.

5. Die Nordwest Passage. Tahiti nach Hawaii 2600 NM,  nach Alaska 2000NM,  immer weiter nördlich dann östlich durch die Passage ca. 3000 NM bis nach Grönland, dann nochmal 3000 NM Island, Schottland, Irland, Frankreich. Die mit Abstand kürzeste Verbindung zurück nach Europa, „nur“ 10.000 NM (oder 18.000km). Mal abgesehen von den beträchtlichen Herausforderungen, ist unser Timing schlecht. Man müsste im nächsten Jahr Ende Juni 2020 in Alaska sein und die Beringsee durchsegeln, Russland an Backbord, dann 1000 Meilen weit Richtung Osten, immer an der unwirklichen Küste lang. Erst dann kommt der Moment der Wahrheit: wird das Eis überhaupt aufgehen? Es gibt ein beträchtliches Risiko, dass man dort im Norden für einen sehr langen Winter festhängt …

Kein wirklich toller Plan B dabei? Stimmt.

6. Wir segeln nach New Zealand.

 

Von Französisch Polynesien über Cook Inseln, Niue und Königreich Tonga nach Auckland, Neuseeland, so etwa 2.400NM. Von dort gibt es für unsere Cheglia im März/April 2020 regelmäßigen Frachterverkehr nach Europa….  Yeah, Plan B – ab jetzt Plan A! Bei der Halbwertzeit unserer Pläne muss man das jetzige Datum dazuschreiben: Anfang August 2019.

Society Inseln mit Marc und Nina

Marc und Nina kommen 11.6.2019 nach Papeete! Sie haben in San Franciso beim geplanten Zwischenstop leider Pech gehabt. Ihr Auto wurde aufgebrochen, die Rucksäcke gestohlen. Land of the free and the brave…

Nach einem Shopping Tag in Papeete, um Geklautes wie T-shirts, iPad, machen wir uns aus der lauten Stadt in die ruhige Nachbarinsel Moorea, auf. So richtig will das paradiesische Wetter nicht mitspielen. Wir haben immer wieder kühle, regnerische und mitunter sehr windige Abschnitte. In Bora Bora können wir kurfristig 45 KN Wind messen. Welcome to Paradise. Die Lagune ist wirklich wunderschön, der Rest ist mit Hotels zugebaut. Die Preise für die kleinen Pfahl-Bungalows über dem Wasser sind absurd. Vor unserer Abreise machen wir noch einen Stopp, um Rochen und Haie aus der Nähe zu erschnorcheln. Nina schwimmt einfach furchtlos auf sie zu….

Dann weiter nach Raiatea. Wir können zwar nur einen Tag hier bleiben, finden aber ein wirklich tolles Restaurant und danach zufällg die lokalen Schönheiten beim HEIVA Tanzfestival.

Das Wetter zwingt uns zu Rückkehr nach Tahiti/Moorea. Die nächsten Tage sollen sehr stürmisch werden, und wir wollen nicht auf den letzten Dücker gegen Wind und Wellen gegenan bolzen müssen, um Nina‘s und Marc‘s Rückflug zu erwischen. In unserer angestammten Bucht in Moorea, Opunoho, kommen wir morgens um drei Uhr an, ankern sicher, erkunden Regenwald, Rochentauchplätze, Strände, treffen „Polarwind“ und „Hullabaloo“ wieder. Morgen  gehts zurück nach Papeete. Wir wollen noch drei Tage Tahiti erkunden, dann fliegen die Beiden am Samstag Abend schon wieder zurück. So schnell gehts…

 

Und wie kommen wir jetzt wieder nach Hause? Teil 1

In Tahiti ist man ganz schön weit weg vom Gudrunweg in Wiesbaden. Es gibt drei denkbare Routen:

1. durch den Rest vom Pazifik, durch die Torres Strasse nördlich von Australien, durch den indischen Ozean an Bali, Cocos Keeling und Reunion und Madagaskar vorbei nach Südafrika, um das Kap der Guten Hoffnung und dann gaaaaanz viel Atlantik, bis wir über Sant Helena, Asencion, Cap Verden, Azoren wieder nach Frankreich kommen. Klingt lang? Ist es auch, so etwa 20.000 nautische Meilen – so ziemlich genau ein Jahr würde das dauern.

2. Der Patagonien Plan: von Tahiti oder Tonga oder Neuseeland direkt nach Puerto Montt, in Südchile. An Cap Horn vorbei, Falklands, Buenos Aires, Brasilien, Azoren, Frankreich. Klingt kürzer? Ja, sind „nur“ so 16.000 NM, aber davon die Hälfte in, sagen wir mal euphemistisch, spannenden Gewässern. Von Neuseeland sind es 5300 NM ohne Zwischenstopp. Das längst-mögliche Seestück ohne anhalten. Geht nur mit guter Crew. Nein, geht nur mit exzellenter Crew. Würde auch ein Jahr dauern.

3.1. durch den Suez Kanal: naja, nicht wirklich, ausser wenn noch eine Marine Fregatte das ganze Stück mitkommt ….

3.2. oder durch den Sues Kanal auf einem Frachter, bis nach Gibraltar. Dann von dort aus weitersegeln. Geht. Echt. Von Tahiti aus. Sevenstar Yachttransport und wir wären im Spätherbst wieder in good old Europe. Von dort ist dann doch noch ein hartes Stück bis in die Bretagne, aber machbar.

Habe ich erwähnt, dass wir Heimweh haben? Und so lansam finden, dass sich all die tollen Inseln  zunehmend ähneln? Und, um Birgitte aus Norwegen zu zitieren: in unserem Alter kann man in einem Jahr auch  noch ganz andere Sachen machen, als nur zu segeln….

Kurz und knapp: wir wollen hoam. Wenn der Frachter fährt (wird sich in den nächsten 3-4 Wochen herausstellen), dann fährt Cheglia Huckepack. Plan B  müssen wir noch aufstellen…..

 

Und wie ist das Segeln im Pazifik?

Jetzt in Tahiti angekommen, haben wir im Pazifik 5200NM seit Februar 2019 zurückgelegt. Bis auf eine Front mit über 30 kn Wind, die uns für ein paar Stunden zwischen Marquesas und Tuamotus  unterhalten hat, waren die Winde überwiegend schwächer als im Atlantik.

Auf Cheglia sind wir froh, wenn es mindestens mit 15 Knoten windet. Mit unseren beiden großen Segeln (Gennaker 130qm, für 80-130‘ AWA, oder Parasailor 170 qm, für AWA 110-180’)  kommen wir auch noch bei 11, 12 Knoten voran. Aber dann ist eigentlich das Wellenbild und die Stömung entscheidender als der Wind. Wenn beides in unsere Fahrt-Richtung zeigt, geht auch bei 7-8 Knoten Wind noch etwas.

Der Satelliten Wetterbericht versprach meistens 11-15 Knoten Wind, also relativ schwachwindiger Süd-Ost-Passat. Gelegentlich traf die Vorhersage zu, meistens hatten wir einige Knoten mehr, manchmal weniger Wind. Die Richtung konnte sich auch schon mal um 90 Grad ändern. Dieser Ozean ist so groß, das möglicherweise die Computer Wettermodelle eine bessere regionale Auflösung nicht hinbekommen.

Die langen, hohen Ozeanwellen rollen meistens aus südlicher Richtung heran, und die (Wellen-)Überbleibsel von anderen Wettersystemen können aus ganz anderen Richtungen dazu kommen. Ja, wir haben häufig unterschiedliche Wellensysteme, die sich überlagern. Segeln mit wenig Wind wird dann immer schwieriger, die Segel schlagen, wir kommen nicht von der Stelle, es nervt. Dann lieber ganz windstill. An solchen Tagen ist der „Ocean Swell“ besonders beindruckend. Die Wellen sind ein paar Meter hoch, aber 200-300 Meter weit auseinander. Die Dinger haben etliche tausend Kilometer Anlauf, zwischen uns und der Antarktis gibt es noch ein paar Winzinseln – sonst einfach nichts. Majestätisch rollen sie unter unserem Boot durch, man fühlt sich sehr klein.

Die Prioritäten werden andere, weil die Strecken so lang sind. Es kommt eigentlich nicht (mehr 🙂 darauf an, ob man einen Tag früher oder später irgendwo  ankommt. Es ist wichtiger, das nichts kaputt geht. Und so segeln wir also meistens sehr gelassen mit 5-8 Knoten dahin. Auf hoher See haben wir in der ganzen Zeit einen chinesischen Fisch Trawler und eine holländische Yacht getroffen. Sonst gähnende Leere.

Die Atoll Seglerei in den Tuamotus hält dann noch ein paar Besonderheiten parat. Die Ein- und Ausfahrten in die Atolle unterliegen gewaltigen Gezeitenströmen. Der Tidenhub ist nicht besonders hoch, aber eine enorme Wassermasse will aus den Atollen bei Ebbe wieder hinaus. Slack Water ist etwa zur Halbzeit zwischen Hoch- oder Niedrigwasser, die Ebbe dauert immer länger als die Flut. An einigen Pässen läuft das Wasser immerzu nur hinaus, weil hohe Wellen für einen permanenten Zufluss sorgen. Es gibt einen „Slack water guestimator“ für die Tuamotus, der sich als recht zuverlässig herausstellt.  Es gibt einige „haarige“ Pässe, eng, mit ein paar Kurven im Pass, die kann man wirklich nur mit guter Sicht (hoher Sonnenstand, von hinten) und bei Slack water befahren, ansonsten traut man sich und seinem Schiff von Pass zu Pass mehr zu.