Zwischenbericht Dominica

Seit dem 11.1.2018 sind wir auf Dominica.

Vielen Dank allen Spendern – wir haben einen ganz ordentlichen Fundus zusammen. Es liegen die ersten Angebote vor, und klar, es wird teurer als wir gedacht bzw. gehofft hatten, die Mittel reichen noch nicht für zwei zerstörte Schulgebäude, aber das Haupthaus bekommen wir schon mal hin. Die Baubehörden haben die Bestimmungen verschärft (zum Glück!), denn wir wollten ja eh ein sturmsicheres Dach bauen und nicht wieder den gleichen Schrott wie vorher aufstellen.

Wir sind im Gespräch mit dem Bischof und seinem Team, was wir in welcher Reihenfolge und mit welchem Budget hinbekommen.

Ich bin zuversichtlich. Die lokalen Handwerker und Baustoffhändler kommen uns wirklich entgegen, alle wollen das Projekt unterstützen. Allerdings braucht es viiieeel Geduld.

Demnächst mehr.

Martin und Lydia

GROSS Familie zum grossen Silvester-Treffen

Das Jahresende naht. Und damit auch der Besuch vom Rest des Patchwork-Clans. Mit etwas Abschiedsschmerz segeln wir von den Saintes zurück nach Guadeloupe. Dort kommen am 30. Dezember Marc und Calvin an, am 31. Kai. Jetzt sind wir komplett – fünf Söhne, Miriam und wir beide. Sechs grosse (und zwei kleinere) Esser und (Bier- bzw. Cocktail-) Trinker an Bord, acht Schlafplätze organisieren – das ist schon eine kleine Herausforderung. Für den Silvesterabend machen wir einen RIESENeinkauf, beladen das Boot und fahren in die Bucht von Le Gosier. Sobald der Anker fest ist, springt die Mannschaft von Bord und schwimmt zu der vorgelagerten Mini-Palmeninsel. Nach dieser Abkühlung beginnt langsam das Einstimmen auf die Silvesterparty an Bord. Wir müssen ja auch dreimal feiern, die Mitternacht in Europa (19.00 Uhr bei uns), unsere Mitternacht und die amerikanische (01.00 Uhr) Es wird ein rauschendes Fest, mit lauter Musik, karibischem Rum-Puntsch, französischem Champagner (sind ja schliesslich in Frankreich) und nächtlichem Schwimmen. Das hat allerdings für Victor eine gestauchte Halswirbelsäule zur Folge. Zu später Stunde fahren wir mit dem Dinghy alle noch an Land und enden bei einer karibischen Tanz-Party….

WAS FÜR EIN START INS NEUE JAHR!!!!!

In den nächsten Tagen machen wir Strandausflüge, wandern durch dichten grünen Regenwald und haben noch ein Highlight für alle: Schnorcheln im Cousteau Marine Reserve mit hunderten von bunten Fischen. Wunderschön. Ein Unterwasservideo kommt noch…..

Ab dem 4. Januar geht einer nach dem anderen von Bord. Für mich ein tägliches Training im Abschiednehmen. Für uns bleiben sooo viele schöne Erinnerungen, Berge von Wäsche und ein Boot, das eine Grundreinigung braucht.

Ganz schön kalt in der Karibik

Wir wollten mal richtig schnell fahren. Und haben einen Tagesausflug mit Beatrix, der Fähre, auf die Hauptinsel gemacht, um auf den Vulkan zu steigen. Sehr frühmorgens sind wir los – mit Dinghy zum Fährdock, mit „Beatrix“ nach Trois Riviere, mit Bus 1, mit Bus 2, mit Bus 3. Dann waren wir am Fuß des Soufriere. Dieser Vulkan ist die höchste Erhebung der Antillen – 1467 m hoch! Und er ist aktiv. Wissenschaftler erwarten einen massiven Ausbruch, der grosse Teile der Insel mit seiner Lava vernichten könnte. Deshalb gibt es überall Meßstationen, die jegliche Aktivität genau aufzeichnen. Der erwartete Zeitraum dafür ist – in Vulkanzeiteinheiten betrachtet – nicht gross: Innerhalb der nächsten 500 Jahre könnte es passieren!

Es war beeindruckend. Der Weg hoch zum Vulkan geht erst durch glitschig steilen Regenwald. Kolibris naschen an Blüten. Dann unter Riesenfarnen entlang, durch die wiegenden Gräser der Bergsavanne bis die ersten Sulfatdämpfe in die Nase steigen und es steiniger wird. Und kälter. Wir sind in den (Regen)wolken, die den Berg bis auf seltene kurze Lichtblicke ständig verhüllen. Dazu kommt der Wind. Je weiter wir nach oben steigen, umso mehr treibt der stürmische Wind uns die Kälte zwischen die Rippen, gefühlt 20 Grad weniger als vor einer halben Stunde. Dazu der Geruch des Vulkans, die neblig-wolkige Umgebung, wir klettern an den Kraterrand, alles ist feucht und neblig und tropft…… ungeheuerlich faszinierend!

Bei den Heiligen – unser Weihnachten

Nachdem Victor auf Guadeloupe angekommen ist, sind wir am nächsten Tag im ersten Morgenlicht auf die vorgelagerte Inselgruppe „Les Saintes“ gesegelt. Dort haben wir höchst entspannte Weihnachtstage verbracht. Auch, wenn Alexander und Victor jeden Tag ein paar Stunden arbeiten mussten – das lässt sich mit einem frühen Sprung ins Wasser morgens, späteren Strandausflügen und Bergbesteigungen in angenehmen warmen Temperaturen doch deutlich versüssen!

Heiligabend haben wir unseren „Weihnachtsbaum“ geschmückt und Martin und ich sind vom Rest der Mannschaft auf’s Köstlichste bekocht worden – ein sehr, sehr schöner Abend war es. Wie kann es auch anders sein, wenn man schon bei den Heiligen daselbst ist!

Eine Woche sind wir auf der Hauptinsel Terre de Haut geblieben. Sie und der kleine Hauptort gelten als einer der schönsten Plätze in der Karibik. Wir können das – von dem, was wir bisher gesehen haben- voll und ganz bestätigen. Die Insel ist klein, es gibt in alle Himmelsrichtungen schöne, ruhige Strände, die man in max. 30 min zu Fuß erlaufen kann, ein paar kleine Berge, die ein schönes Training für Bootsbeine sind, der Ort ist angenehm belebt (und auch mal unangenehm, wenn zu viele Kreuzfahrer einfallen…) , die Häuser hübsch hergerichtet. Es gibt Restaurants, Läden und eiskaltes :)) Heineken :// vom Fass :)) Mit Fähren ist man in 30 min. auf der Südspitze von Guadeloupe, unter Segeln braucht man ca. drei Stunden ins weiter entfernt liegende Point-a-Pitre.

 

Dominica – Maria took Christmas

Schärfer können die Gegensätze nicht sein: Auf Antigua haben sich die grössten Yachten der Welt ein Stelldichein gegeben – nicht einmal 100 km weiter haben tausende Menschen alles verloren. Im September haben die beiden verheerendsten Hurrikans – erst Irma, dann Maria – einige Inseln in der Karibik schwer verwüstet. Die kleine unabhängige Insel Dominica ist eine davon. Sie liegt zwischen Martinique und Guadeloupe, die beide nur wenig abbekommen haben. Über Dominica dagegen ist Maria mit Wind-geschwindigkeiten von 200 mph hinweggefegt.

Am 17.12. sind wir in Dominica angekommen und haben unsere ersten Pakete abgeliefert, 100 Solarleuchten, damit die Kinder Hausaufgaben machen können, Lebensmittel, ein paar Süßigkeiten.

Es ist ein trauriger Anblick: der Regenwald ist komplett zerstört. Die übrig gebliebenen Baumstümpfe sind gesandstrahlt, weiss und ohne Äste. Alle Flüsse, Dominica hat 365, wurden zu reissenden Fluten und haben die meisten Dörfer schwer beschädigt. Viele Menschen haben Alles verloren. Weite Teile der Bevölkerung werden noch sehr lange ohne Strom auskommen müssen. Kühlschrank? Waschmaschine? Licht? Handy? Computer? Fernsehen? Es gibt einige wenige Generatoren, unerschwinglich für die meisten Haushalte oder Nachbarschaften.

Es wird geschätzt das 6.000 -9.000 Menschen die Insel nach dem Sturm verlassen haben – aus einer Gesamtbevölkerung von nur ca. 70.000! Viele, die es sich leisten konnten, fast alle Ausländer, Geschäftsinhaber, Unternehmer sind weg. Die meisten Geschäfte, Restaurants, touristische Dienstleistungen sind dicht. Die Arbeitslosigkeit wird auf über 50% geschätzt.

Aber – die Leute packen an. Ironischerweise hatte Dominica seine eigenen Hilfscontainer bereits auf andere Inseln der Karibik verschickt, als der letzte große Sturm sie selbst traf. Aber Internationale Organisationen haben schnell Hilfe gesendet, Essen und sauberes Wasser sind mittlerweile sicher gestellt. Es gibt zum Glück keine Epidemien, aber die Müllentsorgung bleibt ein gewaltiges Problem. In den ersten Monaten sind die Menschen mit Wasser aus Plastikflaschen versorgt worden, die liegen jetzt herum. Berge von Schutt, Kabel, Bäumen, Dachresten sind noch zu entsorgen.

Auch Baumaterialien stehen bereit, aber die meisten Menschen haben kein Geld, um sie zu kaufen.

Fast alle Schulen, Hospitäler und die Universität in Roseau sind in unterschiedlichen Stadien von „sehr beschädigt“. Einige Schulen sind bereits repariert, böse Zungen behaupten, dass dort die Politikerkinder zu Schule gehen….

Wir haben Kontakt zu St. Johns Grundschule in Portsmouth, dem zweitgrößten  Städtchen auf Dominica, aufgenommen. Die Schule hat 250 Schüler aus der überwiegend armen Nachbarschaft, 18 Lehrer. Wir haben die Lehrer auf ihrer Weihnachtsfeier auf dem Schulhof getroffen – eine nette, engagierte Truppe!

Das Dach ist weggeflogen, die Hälfte der Schule kann nicht genutzt werden (wegen der hohen Vulkanberge regnet es auf Dominica täglich 1-2-3 mal). Es ist eine katholische Schule, die von der sozialistische Regierung gar nicht untergestützt wird. Im Moment haben sie nicht einmal das Geld um eine Plastikplane über das Dach zu spannen.

Wir wollen 35.000 USD sammeln, um das Dach wirklich stabil aufzubauen, damit das Gebäude zukünftig auch als Sturmunterkunft für die Nachbarschaft genutzt werden kann.

Wir wollen, daß jeder Cent für die Schule ankommt und werden im Januar wieder nach Dominica segeln und die Baumaterialien einkaufen und, soweit möglich, den Bau des Daches überwachen.

Nein, eine Steuergutschrift können wir nicht besorgen, wir haben weder die Zeit noch die Mittel so ein Vehikel aufzusetzen.

Wir bitten um Deine/Eure Unterstützung! Wir möchten behaupten, dass es sich um einen verdammt guten Zweck handelt.

Frohe Weihnachten!

 

Zurück!

Ach, wie schön! Es ist warm, immer eine frische Brise, es gibt Berge zum Wandern und überall spielt Musik…. Zurück in der Karibik. Antigua hatten wir bei unserer Reise am Anfang des Jahres nicht gesehen. Dafür verbringen wir jetzt hier recht viel Zeit – denn wir warten hier zunächst auf Alexander, dann auf Miriam. Und Peter kommt wieder vorbei – für ein Wochenende!

Wir sehen den berühmten „English Harbour„, das Hauptquartier von Admiral Nelson, heute UNESCO Weltkulturerbe, segeln in die wunderschöne Nonsuch-Bay und in den North Sound, wo nur wir, ein anderes Boot und Bird-Island sind.

Auf der Suche nach einer Ansprechperson für unsere Hilfsaktion in Dominica hatten wir „Hands across the Sea“ gefunden: Harriet und Tom aus Boston haben vor 10 Jahren begonnen Schulbüchereien auf sechs unabhängigen Karibikinseln aufzubauen. Ihr Ziel ist, das möglichst viele Kinder erstens lesen können, vor allem aber auch lesen wollen. Auf jeder der Inseln gibt es Kontaktpersonen von „Hands“.  Wir machen einen Termin aus und besuchen die Primary School und ihre Bücherei in Freetown.

Auf Antigua setzt sich unsere Mietwagen- „Erfolgs“geschichte fort: Erst war uns ein Auto (noch in Virginia) bei Flut vollgelaufen, vom nächsten hatten wir im riesigen Redskin-Stadion den Schlüssel verloren, mit dem dritten ist Martin nach den ersten 5 Metern beim Rückwärtssetzen einem reingefahren, das nächste ist in einem der vielen Schlaglöcher gelandet – Platten!

Sechs Tage Wellenreiten

Das Wichtigste zuerst – wir sind sicher und, wie es unser Motto ist, glücklich auf Antigua angekommen!

Dank teilweise kräftigen Windes, dank 100 PS und dank grosser Dieseltanks haben wir die knapp 1000 Seemeilen (*1,8 = km) in sechs Tagen hinter uns gebracht.

Die beiden ersten Tage ging es ruppig zu, kräftiger Wind und verschiedene Wellensysteme (der regelmässige Nordatlantik Grundswell aus der einen Richtung und die Windwellen aus einer anderen Richtung), die sich ziemlich ungemütlich überlagert hatten. Das setzt den Wohlfühlfaktor deutlich zurück: Man weiss nicht wie man sitzen, liegen oder gar sich fortbewegen soll, alles bewegt sich in jedem einzelnen Moment in jede erdenkliche Richtung. Martin und Bernd kommen besser damit zurecht. Ich bekomme Kopfschmerzen. Die gute Nachricht – mithilfe der Medikamente, die ich jetzt habe, kann ich sie unter Kontrolle behalten. Keine Migräne!!!

Als wir gerade noch in Funkreichweite waren, ruft uns Bermuda Radio an und erkundigt sich nach Wind- und Wellenverhältnissen „da draussen“. Wir geben ihnen unsere Daten und sie geben kurz danach eine „small craft warning“ (stürmische Bedingungen für kleinere Boote – CHEGLIA ist natürlich nicht mehr „klein“) heraus.

Das wurde dann abgelöst durch zu wenig Wind – motoren war angesagt. Und ganz ehrlich? Das ist zwar laut, aber fühlt sich nach all den Stunden auch ganz entspannend an. Noch mehr, wenn man dann plötzlich die Lichter eines anderen Segelbootes ausmacht, sie über Funk anspricht und hört, sie fahren kreuz und quer auf der Suche nach Wind und dümpeln/wackeln dann für die gesamte nächste Zeit mit 1-2 Knoten „Geschwindigkeit“ dahin. Wir brausen einfach weiter……

Allerdings überlegen wir auch und befragen Chris Parker, ob wir unseren Kurs soweit nach Osten ändern, dass wir früher wieder genug Wind aus der richtigen Richtung (!!) bekommen. Bernd verbringt eine Nachtwache damit, seine alten Differentialrechnungsqualitäten wieder zu aktivieren und auszurechnen wie viel weiter wir bei wie viel Grad Kursänderung fahren müssten. Wir lösen die Gleichung nicht zufriedenstellend (Sinus? Tangens?), entscheiden uns aber sowieso auf unserer „rhumb line“ zu bleiben. Unabhängig von Bernds Rechnung bleibt die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten: eine Gerade.

Während eines heftigen Regens gesellt sich ein weiterer Mitsegler zu uns: Ein kleiner unerschrockener Vogel mitten im Ozean.

Einer der Höhepunkte war die Tiefe! Auf der Karte haben wir gesehen, dass wir eine Stelle passieren würden, an der das Wasser fast 8000 m tief ist! Anhalten! Dort haben die Herren sich an schönen Sprüngen ins tiefblaue (was für ein BLAU !!!) Meer überboten. Ich habe eine Dusche am Heck genommen 😉

Nach fast exakt sechs Tagen liegen wir in Antigua am Zoll-Dock. Als Einklarier-Flagge muss mein (gelbes) T-Shirt dienen, die Q-Flagge konnten wir nicht mehr finden. Bernd versucht an Land „zu gehen“, nix da, das „wackelt“ so sehr, dass er es auf dem Allerwertesten ausbalanciert.  Und kaum sind alle wieder an Bord, kommt sofort das Ankerbier! Mittags. In 30 Grad Hitze. Danach denken wir nur noch an Ausschlafen. Eigentlich. Im wahren Leben endet diese Nacht sehr spät und mit „dem Besäufnis des Jahres“ wie Martin sagt.

Hot, hot – Bermuda-Shorts

In Hamilton, der Hauptstadt von den Bermudas, läuft uns ein Mann in Kniestrümpfen, die in Anzugschuhen stecken, mit Jacket, Schlips und -Bermuda-SHORTS entgegen. Wir denken noch – sieht irgendwie komisch aus. Bis der nächste und nächste und nächste kommt. Hier trägt der gepflegte Herr das so!

Bernd aus Hamburg ist angekommen, um mit uns in die Karibik zu segeln. Martin und er ziehen sofort los und kaufen die Strümpfe. Und am Sonntag werden sie ausgeführt – es ist Remembrance Day – Gouverneur, Premierminister und alles, was Rang und Namen hat, kommt nach St. George’s. Flankiert von den beiden werde ich als Admiral zur Festveranstaltung auf den Kings Square geleitet.

Das Beste kommt zum Schluss – nach der Veranstaltung stehen wir noch ein wenig herum, als zwei Touristen auf Bernd und Martin zukommen und fragen, ob sie ein paar Fotos von ihnen, den Einheimischen, machen dürften…….

Bernd und Martin fahren mit dem Bus! zum Golfplatz und spielen eine Runde. Sie sind begeistert von der wunderschönen Szenerie; Lori und Charles wandern zum Gibbs Leuchtturm und kaum oben – der nächste Squall ist Charlie Squally wieder auf den Fersen…..

Obwohl wir mit dem adäquaten Bermuda-Outfit ja fast eingemeindet worden wären, morgen segeln wir weiter. Antigua ist das Ziel. Sieben Tage werden wir ungefähr brauchen. Etwas nervös bin ich immer vor den langen Strecken, aber ich glaube, das ist normal.

 

Have a good time, USA!

Hampton in Virginia war unsere Absprungstelle Richtung Bermudas. Dort kamen Lori und Charles an Bord, die grossen Boreal-Fans, die wir in Halifax kennengelernt hatten. Sie waren begeistert als wie sie fragten, ob sie als Crew bei uns mitsegeln wollen.

Martin macht immer eine sehr gewissenhafte Strecken- und Routenplanung. „Wieso fahrt Ihr denn noch nicht los? Das Wetter ist doch gut.“ Ja, das Wetter war schön in Hampton, Virginia. Aber wir werden voraussichtlich 5 Tage nach Bermuda unterwegs sein – uns interessiert das Wetter in 2-3 Tagen auf hoher See bedeutend mehr, als die aktuellen Sonnenstunden in Virginia. Wir müssen einmal den Golfstrom durchqueren. Und wollen nicht in starken Wind und Wellen gegen an fahren.

Für lange Offshore Strecken hilft uns Chris Parker, er ist professioneller „Weatherrouter“, ein Meteorologe, der für CHEGLIA ein Wetterfenster und eine Route errechnet.
Das sieht dann so aus:

You’ll depart ChesapeakeBay motoring SE…then sail E into GulfStream Sun5 night/Mon6…then turn SE, exiting Stream as N wind arrives Tue7…pass near 35N/70W then 34N/68W to be clear of the counter-clockwise-rotating eddy…then sail to Bermuda……..

Die ersten beiden Tage und Nächte der Überfahrt waren dann auch eher ungemütlich! Wir haben den Golfstrom überquert, der ist breit (wir haben 12 Stunden gebraucht) und die Wellen schubsen und schaukeln das Boot in alle möglichen Richtungen. Das hiess „Fische füttern!“ Und dann waren da noch die Squalls, „kleine“ lokale Gewitterzellen mit plötzlichem, sich drehenden starken Wind und peitschendem Regen. Am Tag sieht man sie noch drohend auf sich zukommen. Aber am nachtdunklen Himmel? In der zweiten Nacht hat uns einer aus nicht-heiterem Himmel erwischt und ordentlich auf die Seite gedrückt. Charlie hatte Wache und es hat etwas gedauert bis Martin sich in die volle Segelmontur geworfen hatte und die Situation wieder beruhigen konnte.

Die beiden letzten Tage gab es zwar auch noch den ein oder anderen Squall, immer dann, wenn Charlie „Squally“ Wache hatte. Keiner war mehr so heftig, alles andere war Champagnersegeln und die Crew wieder entspannt.