3 Wochen non stop im Pazifik segeln

Land in Sicht!!!

Belisa (unser Vorgängerboot) war ein tolles Urlaubsschiff. Wegen intensiver Berufstätigkeit sind wir in 9 Jahren nur etwa 5000 NM gesegelt… Für die gleiche Strecke  brauchen wir jetzt 9 Wochen. Von Panama nach Galapagos sind es rund 800NM, von den Galapagos Inseln nach Französisch Polynesien sind wir 3.200 NM gefahren, bis nach Tahiti kommen nochmal so 1.200 NM dazu. Dieser Pazifik ist echt groß….

Wie ist das 3 Wochen am Stück auf See zu sein? Naja, man fährt los, gewöhnt sich an den Tagesablauf und die Nachtschichten, freut sich über das Herunterzählen der vielen Meilen noch vor uns, dann ist Bergfest und dann -auf einmal- nur noch 800 Meilen. Die hatten wir doch schon mal ab Panama in 5 Tagen gemacht, nur noch 700NM, aber, ab jetzt werden die Tage wieder länger, jeder möchte gerne ankommen. Und dann bleibt der Wind weg. Einfach so. Für 2,5 Tage haben wir 5-12kn Wind, ziemlich genau von  hinten, dazu 2 Meter Wellen, da schaukelts und die Segel schlagen. Spinnaker hoch, wieder runter, motoren, Segel hoch und wieder zum motoren einreffen, weiter motoren… Nachts kommen noch ein paar interessante Gewitterwolken dazu, die uns von hinten überholen und dabei ordentlich wetterleuchten, und, klar, Windstärke und Richtung genug ändern, damit wir unseren Kurs mit der Segelkonfiguration (immer ist der Baum auf der verkehrten Seite …) gerade nicht mehr segeln können. Und mitten auf dem Ozean wollen wir nicht mit dem Spinnaker (mit 170 qm unser größtes Segel) durch die nächste Gewitterböe zittern, also bleiben wir “untermotorisiert” = kleine Segel = langsam. Tja, und jetzt sind es noch 109 Meilen.

Gesundheitlich? Nach den ersten paar Tagen war Lydia voll einsatzfähig, zunächst ist sie aber immer so haarscharf an der Migräne vorbei. Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse.

Zwischenmenschlich? 3 mal gestritten und 4 mal gebrüllt. Sag ich.  Lydia meint, ich würde bei jedem Manöver schreien, aber da ist ja auch Wind, und Nico ist weit weg am Bug, da kommt man mit Zimmerlautstärke nicht hin…. Alles ok, im Großen und Ganzen.
Jetzt freu ich mich aufs Ankerbier, morgen früh.

Technisch? Unser Generator hat aufgegeben. Den brauchen wir für unsere Meerwasser-Entsalzungsanlage. Kein Generator, kein neues Frischwasser und nix Waschmaschine. Cheglia hat aber große Wassertanks, die wir immer mit einer Mindestreserve vorhalten. Das Wasser reicht dicke, aber auf opulente Duschorgien musste verzichtet werden, die Spülschüssel wird zur Waschmaschine. Normalerweise lädt der Generator die Batterien, insbesondere, wenn wir am Anker hängen. Jetzt, auf See, schleppen wir unseren Watt&Sea Propeller durchs Wasser und generieren so den Großteil unseres Strombedarfs. Ja, geht’s noch? Fischer Panda, Deutscher Maschinenbau, ein Produkt aus Paderborn, Oastwestfalen, ist nach 2,5 Jahren Schrott? Sch…

Außerdem hat unser 3. grosses Vorsegel (Gennaker) uns bereits zwei Spinnakerfalls (mit der Leine zieht man das Vorsegel hoch/runter) zerstört. Das große Segel wieder aus dem Wasser zu fischen und eine neue Leine in den Mast einzufummeln ist auf hoher See sehr lästig. Auf dieses Segel müssen wir ab jetzt  auf Halbwindkursen leider verzichten und sind deswegen -genau- langsam.

Also haben wir uns an die Langsamkeit gewöhnt, viele tausend Seiten Kindle gelesen, und uns auf das Tages Highlight gefreut: von 15-18Uhr sind alle Mann an Deck (im Cockpit), bereiten das Abendessen vor und futtern zusammen. Der Admiral hat – neben ihrer beeindruckenden Segelleistung-  gut für uns gesorgt.

Ein Gedanke zu „3 Wochen non stop im Pazifik segeln“

  1. Schön, dass Ihr uns mit Eurem interessanten Logbuch-Eintrag „mitnehmt“ auf Eure Erlebnisreise. Es ist alles sehr beeindruckend und zollt großen Respekt vor Eurer Leistung. Ganz liebe Grüße aus dem Allgäu! Bettina

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