Das Neueste von uns

Rose Blanche

Dieser kleine Ort ist bekannt für einen der schönsten Leuchttürme, der innen wie außen sehr liebevoll restauriert wurde: Das Leben eines Leuchtturmwärters kann man sich hautnah vorstellen. Und – hier kommen noch einige der sowieso schon wenigen Neufundland-Touristen vorbei, denn Rose Blanche ist für viele Kilometer der letzte Ort an der Südküste, der über eine Straße noch mit dem Rest der Welt verbunden ist. Trotzdem – die Schule wurde geschlossen, es gibt einfach nicht mehr genügend junge Familien und damit Schulkinder, die an der rauhen Küste leben wollen. Nein, richtig ist: leben können. Auch hier – und das hat mich total überrascht – ist das Meer leer gefischt. Vor 20 Jahren noch, haben 95% der Männer mit der Fischerei ihre Familien ernähren können. Dann war der Kabeljau, der die größte Einnahmequelle war, „plötzlich“ so reduziert, dass die Regierung über Nacht quasi ein komplettes Fischereiverbot für die bedrohten Kabeljaus verhängt hat. Bis heute haben sich weder die Fischbestände noch die Menschen oder gar die ganze Region von dieser Katastrophe wieder erholt. Die Fische sind weg, die Fischer sterben aus, die Dörfer sterben.

Was bleibt, ist die jahrtausende alte überwältigende Natur. Wir laufen lange über die Straße, um zu einem Wasserfall zu kommen. Eine kleine Erfrischung finden wir an einer kleinen Tankstelle und dann später auf dem Parkplatz vor dem Wasserfall ein Wohnmobil aus Deutschland. Schöne Überraschung!

Neufundlaaaaand….

Von unserem gemütlichen Ankerplatz im Little Harbour sind wir nach Baddeck weitergefahren, dem kleinen Provinzstädtchen ungefähr in der Mitte der Seen. Dort konnten wir mal wieder einkaufen, hatten gutes Internet und sind schön essen gegangen – natürlich! – Lobster und Cod (Kabeljau). Von dort sind wir am Vormittag in aller Ruhe gestartet, denn Martin hatte genau ausgerechnet, wann wir an der Engstelle sein mussten, die das östliche Ende der Seen mit dem Nordatlantik verbindet. Da ist soviel Strömung, das funktioniert nur in die richtige Richtung. Und unser timing stimmt! Hat Martin mal wieder so gut gemacht…. Wir schießen mit fast 11 Knoten durch die Meerenge – und sind wieder im Nordatlantik. In dem kleinen sehr geschützten natürlichen Hafen von Ingonish werfen wir nochmal für eine kurze Nacht den Anker (was gar nicht so leicht ist, denn entweder ist es sehr flach oder – schon wenige Meter weiter – sehr tief). Mit dem allerersten Lichthauch am nächsten Morgen geht es los. Nach einer Rauschefahrt mit kräftigem Wind aus der richtigen Richtung kommen wir gegen 17.00 Uhr in Neufundland an, Sehnsuchtsziel! Und wirklich – alles sieht so anders hier aus. Anders als alles, was wir jemals gesehen haben. Rau, steinig, zäh, kleine Häuser mit kleinen Fenstern und irgendetwas wirkt so ungewohnt. Was ist das, fragen wir uns. Die Häuser haben keine Gärten! Sie stehen da einfach da, zwischen Granitblöcken und harten Grasbüscheln. Der Sommer ist hier einfach zu kurz für Gartengestaltung.

Wir haben unser Boot gerade festgemacht, da kommt die Lokalreporterin an und fragt, ob sie ein Interview mit uns machen kann – Schiffsmeldungen. Ist übrigens ein gutes Buch, das in Neufundland spielt!

Hier ist der Artikel: http://www.gulfnews.ca/community/2017/8/14/talking-with-tourists.html

Die See-Seen

Wir hatten schon gehört, dass die Bras d’Or Lakes wunderschön sein sollen. Unsere Erwartungen wurden noch übertroffen – zudem haben wir dieses schöne Stück Welt in herrlichstem Wetter kennengelernt. Tagsüber hatten wir knapp 30 Grad, nachts angenehm kühl und vor allem das Wasser – es hatte 21 Grad Schwimmtemperatur! Unser neues Spielzeug kam auch zu hervorragendem, so zu sagen artgerechtem Einsatz: ein Kajak, das wir einzeln oder zusammen über die Seen paddeln können.

Und – wir hatten uns schon vorher mit Colin, der ganz zu Anfang in Portugal bei uns an Bord war und seiner Frau Louise verabredet. Auf das Treffen mit den beiden hatten wir uns sehr gefreut und haben drei schöne Tage und vor allem selbstzubereitete Gourmet-Abende mit den beiden verbracht. Die beiden sind aktiv in Artenschutzprojekten, das grösste ist das Basking-Shark- (Riesenhai, aber vegetarisch!)- Projekt. Und wir haben über Europa geredet, ich habe von der im letzten November in Frankfurt gestarteten und inzwischen weit verbreiteten Initiative Pulse of Europe erzählt und die beiden von ihrer Fassungslosigkeit über den Brexit – die beiden sind Engländer. Und darüber, dass Mutti Merkel jetzt „Leader of the world“ ist. Genau das hören wir rundherum von allen, die wir unterwegs so treffen.

 

Unsere Hali-Faxen

In Halifax haben wir die Architekturprofessoren Anca, Glenn und ihre 13jährige Tochter Ava wiedergetroffen – eine amerikanische Familie im Sabbatical und auf dem Weg nach Europa. Mit ihnen hatten wir schon in Shelburne schöne Zeiten und wollten sie deshalb gern noch sehen, bevor sie von Halifax nach Irland aufbrechen wollten.

Wir fuhren in die Ankerbucht, die wir uns vor Halifax ausgeguckt hatten, als ein Boot auf uns zukam – Judy. Sie sagte, da hinten ist meine private Boje, wenn ihr wollt, könnt ihr da anlegen. Und mein Haus ist da drüben, es ist immer offen, wenn ihr Wäsche waschen wollt, das Internet braucht oder sonst was, kommt einfach rüber. Ach, und mein Auto brauche ich auch morgen nicht….. ??!!!!!!!!!! Unfassbar – all diese Menschen hier!

Am nächsten Tag haben wir Anca und Familie getroffen und sie fragte uns, ob wir irgendeinen Sternenstaub bei uns haben – das passiert nur Euch: Autos, Eiscremecookies, Lobsterburger, Regattaeinladungen, Neufundlandkarten in Shelburn, tagelange Autonutzung, Parties, Stricksocken und Rehfleisch in La Have und Boje mit Waschmaschinen – und Internetnutzung in Halifax…… Nein, kein Sternenstaub, Ihr Menschen hier in Nova Scotia, seid einfach grossartig!

Und ja, mit den Amerikanern haben die Kanadier sicher auch ein etwas anderes Verhältnis…..

 

LaHave

Nur ein Halbtagesritt ist es von der „Karibik“ in den LaHave River und dort liegt dann nach ein paar weiteren Seemeilen der LaHave River Yachtclub. Unser Boot ist so groß, dass es nur an eine Mooringboje passt. Schon wieder ist dort eine Regatta im Gange und als wir festgemacht haben, kommen auch all unsere Bekannten aus Shelburn gerade ins Ziel, „Illusion“ (hier das Video von und mit dem Song von Johnny Lake) mit Skipper Orwal hat wieder die Nase vorn. „Unseren“ VW hat Dan auch schon bereit gestellt. Das ist wirklich ungemein hilfsbereit und hilfreich vor allem! So machen wir einen Autoausflug nach Lunenburg – gegründet, welch Überraschung! von Deutschen und Schweizern – und sehr hübsch gelegenes UNESCO-Städtchen mit einem sehenswerten Fisherie-Museum. Für den Abend haben uns die Yachtclubleute schon zum Fridaynight Social-evening eingeladen. Es sind bestimmt 100 Gäste an diesem schönen Sommerabend dort. Wir lernen noch viele nette Menschen kennen, u.a. Bianca, die seit 30 Jahren dort lebt, deren deutsche Familie tatsächlich rund um Wiesbaden zu Hause ist!
Am nächsten Tag fahren wir zur Indian Gardenfarm und kaufen richtig gutes frisches Obst und Gemüse, hmmmm. Bekommt man in den USA nicht. Oder nur schwer. Und wir laufen zum Leuchtturm- viel weiter als gedacht- werden unterwegs von Jack, dem Lobsterfischer, mitgenommen. In 15 min lernen wir alles – ok, fast – über Lobsterfischerei. Am Leuchtturm sitzen wir schön in der Sonne und denken, ein Lobsterburger wäre jetzt richtig gut. In dem Moment kommt ein kleiner Truck angefahren und Martin fragt spaßeshalber nach. „Lobsterburger? Klar, habe ich in meiner Kühlbox!“ Auf dem Rückweg werden wir von einer netten Frau mitgenommen, die uns mit selbst gemachten Eiscreme-Cookies verwöhnt. Die Menschen hier sind wirklich außergewöhnlich hilfsbereit und sehr sehr freundlich. Am Ende reisen wir ab und haben von Orwal kiloweise selbstgejagtes Hirschfleisch und von Bianca selbst gestrickte Socken (für Neufundland!).

Hh

Karibik in Kanada – Carters Beach

Wir verlassen Shelburne morgens früh – im Nebel. So langsam bekommen wir Übung im Blindflug. Hoffen natürlich trotzdem darauf, dass sich die Sicht wieder einstellt. Auch, damit wir von der Küste etwas sehen können! Das wird nichts. wir haben auf unserem Plotter einen Wegepunkt markiert, der uns an eine wunderschöne weisse Sandbucht führen soll. Hmmmm….. nichts als Nebel. Kein Wunder, die Wassertemperatur ist nur noch 10 Grad! Und die Sicht dementsprechend manchmal nicht mehr als vielleicht 100 m weit. Wir tasten uns heran – und plötzlich in einem einzigen Moment, als wäre nichts gewesen, strahlend blauer Himmel, weisser Sand, wunderschön! Aber dort können wir nicht anhalten, und drehen wieder ab – in den Nebel. Unser nächster Wegepunkt ist Carters Beach in der Bucht von Port Mouton. Wir fahren erst an kleinen Inseln vorbei, die bringen den Nebel schon zum Schmelzen und kommen dann in diese Bucht…. einfach nur schön. Ein anderes Segelboot liegt dort vor Anker, wir ankern auch. und machen erstmal eine lange  Strandwanderung. Auf dem Rückweg laden uns die beiden Bootsnachbarn (italienisch-amerikanisches Paar) zum Aperitif ein, wir sie daraufhin zum Grillen zu uns an Bord. Sehr schöner Abend in wundervoller Kulisse. Am nächsten Morgen fahren wir mit unserem Dinghi wieder zum Strand, wandern dort entlang, klettern über die Felsen, und freuen uns des Lebens! Die Lufttemperatur stimmt – seit wir in Kanada angekommen sind, immer 26 – 30 Grad -, nur die Wassertemperatur ist definitiv nicht die aus der Karibik. Mittags lichten wir Anker und freuen uns auf unsere neuen Freunde vom YachtClub in La Have.

Shelburne

Wir haben Glück! Am Donnerstag sind wir nach vier Tagen Überfahrt von Norfolk angekommen und hören direkt beim Anlegen von der Dockmasterin, dass am nächsten Tag DAS Partywochenende in Shelburn beginnt. Schöner Empfang in Kanada. Wir sind sofort von dem Charme der kleinen Stadt, ihrer wunderschönen Umgebung und vor allem der Menschen hier begeistert. Doch zuerst heisst es – organisieren. Unsere beiden Mitsegler wollen von Halifax aus zurück fliegen. Dazu müssen sie erstmal nach Halifax kommen. Bus? Nein. Taxi? Drei Stunden und sehr teuer. Der Manager des kleinen Yachtclubs telefoniert und telefoniert, schreibt dann eine Email an alle 300 Mitglieder und fragt, wer wann dorthin fährt. Wenige Stunden später ist die Mitfahrgelegenheit klar gemacht.

Die grosse Party ist anlässlich des Founders Day:  1783 kamen ca. 10.000 Siedler, die sich zur Britischen Krone bekannten, die Loyalisten, in Shelburne (damals hiess es noch Port Roseway) an. Sie flohen vor desaströsen Konsequenzen, nachdem die Briten im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg in York Town von den amerikanischen Kolonisten geschlagen worden waren. Diese Loyalisten gründeten damals die Stadt und machten sie zunächst zu einer der grössten in dieser Region. Heute gibt es noch viele alte Gebäude und der Founders Day wir mit vielen Traditionen, Feuerwerk, nächtlicher Parade von aufwändig illuminierten Booten, mit Scallop-und Lobsterburgern und viel Live-Musik gefeiert.

Und Martin segelt seine erste Regatta mit – wenig Wind, aber beste Unterhaltung und erste über der Ziellinie. Der Skipper und die Crew von „Illusion“ adoptieren zunächst ihn, dann sehr bald uns und laden uns ein auf dem Weg nch Halifax in ihrem Segelclub in LaHave vorbei zu kommen. Das müssen wir fest versprechen!

 

Gewitter auf See

Auf der Strecke von Norfolk nach Shelburn an der Südküste von Nova Scotia, Kanada waren wir wieder zu viert an Bord. Elisabeth, die ursprünglich aus Frankreich kommt, und ihr Mann Galen waren an Bord. Auch, wenn Elisabeth keine Hochsee-Erfahrung hatte und keine Nachtwachen übernehmen konnte, war es sehr entspannend. Leider hat uns der Wind etwas im Stich gelassen und wir hatten viel mehr Motorstunden als wir erwartet und gehofft hatten. Dafür kam mit dem Untergang der Sonne am zweiten Abend dicker Nebel an – da hilft nur noch Radar an, nach Instrumenten fahren und hoffen, dass keine Fischerboje im Weg ist. Die würden wir in der Nacht nicht sehen. Allerdings waren wir auch nicht im ausgewiesenen Fischereigebiet unterwegs. Dafür haben wir Delfine im nächtlichen Nebel gesehen – sehr faszinierend sieht das aus. Am nächsten Morgen – noch immer dicker Nebel. Und jetzt auch Fischerbojen – orange, gar nicht so klein – trotzdem, nur im allerletzten Moment tauchten sie aus den dicken Nebelschwaden auf. Elisabeth und ich waren Eagle-Eye und Hawk-Eye, Adler- und Falkenauge, Galen hat den Radarschirm überwacht. An „nur schnell mal nach unten gehen“ war nicht zu denken. Etliche der Bojen waren mit Radarreflektor ausgestattet, die konnte man tatsächlich auf unserem Monitor erkennen. Aber nicht alle…..

Dann kam der Regen, der den Nebel weggewaschen hat. Bis zum Abend gab es immer wieder kräftige Schauer. Die sitzen wir schön warm und trocken in unserem geschützten Pilothouse aus. Mit Einbruch der Dunkelheit haben wir die ersten Gewitterzellen auf dem Radar entdeckt, die direkt auf uns zuhielten. Auch nicht so schön auf dem Boot. Erstens weil sie mit viel bis sehr viel Wind einhergehen können, zweitens wegen Blitzeinschlags. Unser Boot ist aus Aluminium, müsste also ein Faradayscher Käfig sein. Ausprobiert haben wir es noch nicht. Muss auch nicht sein. Die Gewitter sind ein paar Stunden lang über uns hinweg gerauscht. Eindrucksvoll! Und den Wind haben sie diesmal nicht ausgepackt – sehr gut so!